Insulinpumpe: Mehr Freiheit für Kinder mit Diabetes

Als Ritter die eigene Sandkastenburg verteidigen, von der Popstar-Karriere träumen oder stundenlang Höhlen bauen – die Kindheit sollte frei und unbeschwert sein, auch für Kinder mit Diabetes. Rund 32.000 Kinder und Jugendliche haben Typ-1-Diabetes.1 Eine Insulinpumpe macht das Leben mit der Erkrankung für Kinder und deren Familien leichter.

Insulinpumpe für Kinder: Kinder machen eine Kissenschlacht.

Insulinpumpe bei Kindern: (Ab) wann ist sie sinnvoll?

„Diabetes? Mein Kind?“ – Die Diagnose verunsichert die meisten Eltern, denn ab jetzt wird vieles anders: Typ-1-Diabetes verändert den Familienalltag, die Erkrankung muss nun im Alltag mitgedacht werden.

Schnell stellt sich die Frage nach der richtigen Insulintherapie. Erwachsene mit Diabetes können sich oft gut darauf einstellen, ein regelmäßiger Tagesablauf und ein gutes Verständnis für die Erkrankung sowie den eigenen Körper erleichtern das Spritzen der passenden Insulindosen.

Anders als bei vielen Erwachsenen sieht bei Kindern oft jeder Tag anders aus: Ist das Wetter gut, toben sie den ganzen Tag draußen herum, bei Regen machen sie womöglich ruhigere Spiele im Haus – bei all dem bleibt das Essen oft uninteressant. Doch diese Dinge haben Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. Die Unregelmäßigkeit macht die Spritzentherapie schwierig – umso sinnvoller ist es daher, bei Kindern mit Typ-1-Diabetes eine Insulinpumpentherapie in Betracht zu ziehen.

Je kleiner das Kind, desto schwieriger das Diabetes-Management. Während Jugendliche schon viel über die Erkrankung und ihren Körper wissen und auch mit Insulinspritzen umgehen können, ist die richtige Blutzuckereinstellung bei Kindern und insbesondere Kleinkindern deutlich schwieriger. Die gute Nachricht: Die Insulinpumpe kommt schon für Kleinkinder infrage. Studien zeigen, dass gerade auch diese Altersgruppe von den Vorteilen einer Pumpentherapie profitiert.2

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Warum ist die Insulinpumpentherapie bei Kindern so gut geeignet?

Eine Insulinpumpe macht nicht nur das tägliche Insulinspritzen hinfällig, sondern bringt Ihnen und Ihrem Kind mehr Spontaneität und Bewegungsfreiheit durch zahlreiche Vorteile gegenüber der klassischen Insulintherapie mit Spritze oder Pen:

  • Weniger Angst vor Unter- und Überzuckerungen: Eine Insulinpumpe hilft, Unterzuckerungen und dem Dawn-Phänomen (Blutzuckeranstieg am frühen Morgen) bei Ihrem Kind vorzubeugen. Die Insulinpumpe gleicht diesen schwankenden Bedarf durch die variable Basalrate aus.
  • Exakte Einstellung des Insulinbedarfs: Die Insulinpumpe kann so programmiert werden, wie es dem Insulin-Grundbedarf Ihres Kindes entspricht. Als Orientierung dienen dabei Alter und Körpergewicht sowie der Insulinbedarf einer gegebenenfalls vorangegangenen Therapie. Insulinpumpen können kleinste Mengen an Insulin abgeben, was die richtige Einstellung beim Kleinkind deutlich erleichtert.
  • Keine Angst vor dem Pen: Viele Kinder haben Angst vor dem Pen und die ständige Verabreichung von Insulin wird so schnell zur Qual. Mit einer Insulinpumpe ist tägliches Spritzen überflüssig.
  • Weniger Planung, mehr Freiheit: In der Pumpentherapie wird im Gegensatz zur intensivierten Therapie nur kurz wirksames Insulin verwendet, denn die Pumpe gibt über die eingestellte Basalrate kontinuierlich Insulin ab. Das bedeutet weniger Planung und mehr Freiheit, was Bewegung oder Essen angeht. Die Insulinzufuhr lässt sich jeweils spontan steigern oder reduzieren.
  • Stabile Blutzuckerwerte: Der Umstieg auf die Insulinpumpe ist gerade auch bei Kindern empfehlenswert, die eine instabile Blutzuckereinstellung oder häufige Hyper-/Hypoglykämien aufweisen.

Laut aktuellen Studien kommt es bei Kindern und Jugendlichen, die nach Diagnosestellung zeitnah mit der Insulinpumpentherapie beginnen, seltener zu Krankenhausaufenthalten.2 Auch beim wichtigen HbA1c-Wert  (Langzeit-Blutzuckerwert) erreichten Kinder, die frühzeitig mit der Insulinpumpentherapie begonnen hatten, bessere Ergebnisse.2

Wie funktioniert eine Insulinpumpe bei Kindern?

Bei Kindern mit Typ-1-Diabetes gibt die Bauchspeicheldrüse kein Insulin an das Blut ab. Stattdessen erledigt das bei der Insulinpumpentherapie die Pumpe. Sie funktioniert bei Kindern mit Diabetes genauso wie bei Erwachsenen.

Die Insulinpumpe übernimmt die Funktion der Bauchspeicheldrüse und gibt, einmal richtig eingestellt, regelmäßig kleine Mengen Insulin automatisch in den Blutkreislauf ab - auch Basalrate genannt. So deckt sie den Grundbedarf des Hormons. Zu den Mahlzeiten und zur Blutzuckerkorrektur zwischendurch kann über die Pumpe kurzfristig Insulin als Bolus abgegeben werden.3

Zur Pumpe gehören eine Kanüle (spezielle dünne Nadel) zur Injektion und ein Katheter (dünner Schlauch), der die Pumpe mit der Nadel verbindet (Infusionsset). Zur Fixierung von Kanüle und Katheter eignet sich ein großes Pflaster. Nach rund 2 Tagen müssen Kanüle, Katheter und die Injektionsstelle gewechselt werden.

Noch einfacher funktioniert eine automatisiertes Insulinabgabesystem (Hybrid-Closed-Loop-System): Dabei berechnet ein Algorithmus automatisch, wann und wieviel Insulin abgegeben wird. Eine Studie hat gezeigt, dass dies auch schon für Kinder von 1 bis 7 Jahren eine effektive und sichere Methode ist, den Insulinspiegel zu regulieren.4

Aber wie sieht es aus mit draußen spielen, toben und rennen? Für viele Kinder gibt es nichts schöneres, als den ganzen Tag auf den Beinen zu sein und die Welt zu entdecken. Doch körperliche Aktivität beeinflusst den Blutzuckerspiegel – das Gute ist jedoch: Dank der Insulinpumpe ist sorgenfreies Herumtoben bedenkenlos möglich, denn Ihr Kind muss sie dazu nicht abnehmen.

Beim Besuch im Schwimmbad sollten Sie vorab checken, ob die Pumpe wasserdicht ist. Je nach Modell ist es empfehlenswert, sie abzunehmen und die Blutzuckerwerte gut im Blick zu behalten. Außerdem sollten Sie und Ihr Kind darauf achten, dass die Insulinpumpe nicht mit Sand in Berührung kommt.5

Wussten Sie schon?

Insulin ist hitzeempfindlich – lagern Sie die Insulinpumpe an einem kühlen Ort, wenn Ihr Kind sie gerade nicht trägt.

Mit Insulinpumpe in den Kindergarten: Geht das?

Alle Eltern wünschen sich für ihr Kind, dass es auch mit Diabetes eine unbeschwerte Kindheit erleben kann, möglichst ohne Einschränkungen. Dazu gehört auch, wie alle anderen in den Kindergarten und in die Schule gehen zu können.

Hierbei kann die Insulinpumpe eine große Hilfe sein. Denn sie erleichtert das Diabetes-Management bei Ihrem Kind oder Kleinkind erheblich. Durch die Insulinpumpe sind auch keine Insulinspritzen nötig.

Dennoch muss sich das Kindergartenpersonal bereit erklären, ein Kind mit Diabetes zu betreuen, denn das bringt zusätzliche Aufgaben mit sich: Blutzucker messen (oder dabei helfen), im Blick behalten, was das Kind isst und die Bolusgabe überprüfen.

Und falls es einmal zu einem Notfall kommt, ist es wichtig, schnell handeln zu können. Die Schulung des Kita-Personals in Sachen Diabetes und Insulinpumpe ist von großer Bedeutung. Das können Sie als Eltern übernehmen oder aber das Diabetes-Team Ihres Kindes.

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Tipp:

Möglicherweise ist Ihr Kind gerade am Anfang, wenn es neu in die Gruppe kommt, vielen Fragen und neugierigen Blicken ausgesetzt. Begleiten Sie es in der Eingewöhnungsphase im Kindergarten, unterstützen Sie es in herausfordernden Situationen und üben Sie mit ihm das richtige Verhalten mit der Insulinpumpe im Kindergarten gut ein.

Klar ist: Die Insulinpumpentherapie bei Kindern – vor allem gepaart mit einem CGM-System zur Blutzuckermessung – erleichtert den Alltag mit Diabetes immens und macht auch den Kindergartenbesuch deutlich einfacher.6

Insulinpumpentherapie: Wie erkläre ich das meinem Kind?

Wichtig ist es, dass sich Kinder schon früh mit ihrem Typ-1-Diabetes auseinandersetzen, denn er begleitet sie ein Leben lang. In Diabetes-Schulungen lernen Kinder viel über ihre Erkrankung und auch, warum sie eine Insulinpumpe tragen müssen.

Im Alltag, wenn die Pumpe mal wieder besonders stört, sollten Sie im Gespräch mit Ihrem Kind folgende Dinge besonders beachten:

  • Zeigen Sie Verständnis dafür, wie sich Ihr Kind gerade fühlt.
  • Machen Sie ihm auf empathische Art deutlich, dass die Pumpe etwas Gutes ist: Sie hilft, dass Ihr Kind viele Dinge so tun kann, wie die anderen auch.
  • Versuchen Sie, den Leidensdruck Ihres Kindes nicht kleinzureden, sondern führen Sie schöne Rituale ein, die einen Ausgleich für die Situation schaffen.

Natürlich stellt der Diabetes Eltern und Familien immer wieder vor Herausforderungen. Doch eine Pumpe erleichtert den Alltag für Kinder mit Diabetes deutlich und ermöglicht Familien ein (fast) normales Leben – und Kindern eine (fast) unbeschwerte Kindheit, trotz Diabetes.

Häufige Fragen zur Insulinpumpentherapie bei Kindern

Kinder haben einen weniger regelmäßigen Tagesablauf und stärker schwankende Blutzuckerwerte. Eine Insulinpumpe gleicht diese besser aus und erspart unangenehmes Insulinspritzen. Gerade für Kleinkinder kann die Insulinpumpe eine gute Lösung sein.

Ja, die Insulinpumpe erleichtert auch den Alltag im Kindergarten. Durch die Insulinpumpe ist es zudem für das Betreuungspersonal einfacher, die Insulingaben zu überprüfen oder durchzuführen sowie die Blutzuckerwerte im Blick zu behalten.

Die Insulinpumpe funktioniert bei Kindern genauso wie bei Erwachsenen: Sie ersetzt die Funktion der Bauchspeicheldrüse und gibt kontinuierlich kleine Mengen an Insulin ab. Zu den Mahlzeiten lassen sich über die Pumpe extra Boli verabreichen.

Quellen

1 Buchmüller, H. (2021, 25. April). Bei Kindern schnell mit einer Insulinpumpe starten. diabetes-news. https://www.diabetes-news.de/nachrichten/bei-kindern-schnell-mit-einer-…

2 Kamrath, C., Tittel, S. R., Kapellen, T. M., von dem Berge, T., Heidtmann, B., Nagl, K., Menzel, U., Pötzsch, S., Konrad, K., & Holl, R. W. (2021). Early versus delayed insulin pump therapy in children with newly diagnosed type 1 diabetes: results from the multicentre, prospective diabetes follow-up DPV registry. The Lancet Child &Amp; Adolescent Health, 5(1), 17–25. https://doi.org/10.1016/s2352-4642(20)30339-4

3 gesundheitsinformation.de.. Arten der Insulinzufuhr | Gesundheitsinformation.de. https://www.gesundheitsinformation.de/arten-der-insulinzufuhr.html

4 Ware, J., Allen, J. M., Boughton, C. K., Wilinska, M. E., Hartnell, S., Thankamony, A., de Beaufort, C., Schierloh, U., Fröhlich-Reiterer, E., Mader, J. K., Kapellen, T. M., Rami-Merhar, B., Tauschmann, M., Nagl, K., Hofer, S. E., Campbell, F. M., Yong, J., Hood, K. K., Lawton, J., . . . Hovorka, R. (2022). Randomized Trial of Closed-Loop Control in Very Young Children with Type 1 Diabetes. New England Journal of Medicine, 386(3), 209–219. https://doi.org/10.1056/nejmoa2111673

5 Schutz vor Sand, Wasser und Hitze. (2021, 10. Juni). Die Techniker. https://www.tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-med…

6 Kriesel, J.. (o.D.). Betreuung von Kindern mit Typ-1-Diabetes in Kitas. Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes.