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Spritzen mit System: Die Wahl der Injektionsstellen
Anette hat gerade ihre erste Diabetesschulung besucht. Zwar hatte sie sich bereits im Vorfeld über Diabetes informiert und wusste bereits einiges über die Technik der Insulininjektion. Überrascht war sie jedoch, als sie hörte, dass die Wahl der Spritzstelle die Wirksamkeit des Insulins beeinflusst.
Warum ist dies so? Welche Injektionsstellen sind besonders geeignet? Und was sollte man sonst noch beachten? Unsere Experten wissen es.
Warum ist die Wahl der Spritzstelle so wichtig?
- Wie schnell das Insulin aufgenommen wird, hängt von der Beschaffenheit des Unterhautfettgewebes ab. Dort wo es etwas dicker ist, wird das Insulin rascher aufgenommen. Daher sind Stellen wie der Bauchraum besonders gut geeignet.
- Ein weiterer Pluspunkt des Unterhautfettgewebes: Dort besteht keine Gefahr, große Blutgefäße, wichtige Organe oder den Knochen zu treffen.
- In dickerem Unterhautfettgewebe ist die Anzahl der empfindlichen Nerven geringer als an Stellen, an denen sich nur wenig Fettgewebe befindet. Daher sind z. B. die Füße oder Innenseite der Oberschenkel weniger geeignet, da sich dort viele Nerven befinden.
Welche Injektionsstellen kommen in Frage?
Bauch
Die Bauchpartie ist ideal für die Injektion, denn dort wird Insulin besonders schnell aufgenommen. Insulinanaloga wirken fast sofort, Normalinsulin nach 10 bis 15 Minuten. Daher sollte kurz wirkendes Insulin in den Bauch injiziert werden, denn dort kann es seine Wirkung besonders rasch entfalten. Dabei solltest du schon ein wenig gezielt vorgehen: Halte 2 Finger breit Abstand zum Bauchnabel (dort wird das Insulin schlecht aufgenommen), zur Leistengegend (um keine Arterie zu treffen) und zum Rippenbogen (denn diese Partie ist besonders schmerzempfindlich).
Oberschenkel oder Gesäß:
In diese Partie gespritzt, wirkt das Insulin langsamer, als wenn du es in den Bauch injizierst. Daher empfiehlt es sich, hier Verzögerungsinsulin zu spritzen. Unser Rat: Achte jeweils auf 4 cm Abstand zum Knie oder zur Leistengegend.
Oberarm:
Auch der Oberarm ist geeignet, um sich dort Insulin zu injizieren. Dort wird es allerdings nur "mittelschnell" aufgenommen. Auch ist die zur Verfügung stehende Fläche recht klein. Da man die Spritzstellen regelmäßig wechseln soll, muss man hier besonders darauf achten, nicht wieder in die gleiche Stelle zu spritzen. Sonst kann es zu Verhärtungen kommen, die die Insulinaufnahme erschweren.
Bilde beim Injizieren unbedingt eine Hautfalte, um keinen Muskel zu treffen. Denn im Muskel wirkt das Insulin besonders schnell und könnte eine Hypoglykämie verursachen.
Warum soll man Spritzstellen regelmäßig wechseln?
Weil es zu Verhärtungen oder Hautschäden kommen kann, wenn du immer wieder an die gleiche Stelle spritzt. Dadurch wird das Insulin schlechter aufgenommen. Die Folge sind schwankende Blutzuckerwerte. Daher: Wechsle regelmäßig die Injektionsstelle, so kann dies nicht passieren. Die Injektionsstellen sollten dabei mindestens 1 cm auseinander liegen.
Unser Tipp: Wechsle die Injektionsstelle mit System!
Damit du nicht durcheinander kommst, solltest du systematisch vorgehen. Spritze zum Beispiel von oben nach unten. Oder injiziere das Insulin an ungeraden Tagen in den rechten Oberschenkel/in die rechte Bauchpartie, an geraden in den linken Bereich. Es gibt auch Schablonen, die dir dabei helfen, die Spritzstellen regelmäßig zu wechseln. Du bekommst sie bei deinem Diabetesteam.
Noch etwas: Spritze nicht in blaue Flecken oder Narben, dort wird das Insulin schlechter aufgenommen.
Für Pumpenträger: Welches ist die ideale Injektionsstelle für das Infusionsset?
Die Bauchpartie. Zunächst einmal ist dieser Bereich weniger schmerzempfindlich als andere Partien, sodass das Anlegen des Infusionssets in der Regel keine Probleme bereitet. Außerdem wirkt Insulin, wie bei der Injektion durch Pen oder Spritze, besonders schnell, wenn es in den Bauch gespritzt wird. Ein weiterer Pluspunkt: Dort kann das Infusionsset unauffällig unter der Kleidung angebracht werden und stört nicht bei der Bewegung.







