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08. Dezember 2009
Ohne Beulen, Schmerz und blaue Flecken: Die Wahl der richtigen Spritzstelle
Auch wenn dank Pens und speziell geschliffener Nadeln die Injektion von Insulin einfacher und weniger schmerzhaft ist als früher, das Spritzen
bleibt für die meisten insulinpflichtigen Diabetiker eine unangenehme Notwendigkeit. Viele haben Lieblingsspritzstellen, in die sie besonders
häufig injizieren. Dabei ist allerdings Vorsicht angebracht: Wer den Pen immer an derselben Stelle ansetzt, riskiert auf Dauer nicht nur
unschöne Beulen, sondern hat auch häufiger mit schwankenden Blutzuckerwerten zu kämpfen. Außerdem sind nicht alle Körperregionen gleich gut
geeignet für die Injektion. Lesen Sie hier, worauf Sie beim Spritzen achten sollten.
Dass viele Diabetiker häufig an derselben Stelle spritzen, kann einen einfachen Grund haben: Der betreffende Punkt wird mit der Zeit weniger schmerzempfindlich, und die Injektion fällt deswegen leichter. Aber was vordergründig als Vorteil erscheint, kann durchaus negative Auswirkungen haben. Erste erkennbare "Nebenwirkung" dieses Vorgehens sind Anhäufungen von Knoten im Fettgewebe, die sich als unschöne Beulen bemerkbar machen. Die sind zwar nicht gefährlich, stellen aber trotzdem mehr als ein kosmetisches Problem dar. Denn die Verformungen können sich negativ auf die Diabetes-Therapie auswirken.
Fettansammlungen in der Unterhaut: Nicht nur ein kosmetisches Problem
Als "Lipohypertrophie" wird diese örtliche Ansammlung von Unterhautfettgewebe bezeichnet. Man nimmt an, dass diese durch die verstärkte Konzentration durch von außen zugeführtem Insulin entsteht. Zum Vergleich: Bei einem stoffwechselgesunden Menschen beträgt die Insulinkonzentration im Unterhautfettgewebe 0,00001 bis 0,0001 E/ml. In den Insulinpatronen eines Diabetikers befinden sich 100 E/ml. Somit kann sich nach der Injektion in einem kleinen Bereich des Fettgewebes eine Konzentration befinden, die über 100.000 Mal über dem normalen Wert liegt. Zum Problem wird das allerdings erst, wenn das Gewebe nicht ausreichend Zeit hat, sich zu erholen.
Werden die Spritzen immer in den gleichen Punkt gesetzt, beginnen außerdem die Fettzellen zu wachsen. Weiße Blutkörperchen und so genannte Fresszellen sammeln sich im gereizten Gewebe an, die das Insulin teilweise zerstören können. Das dabei entstehende Narbengewebe wird außerdem schlechter durchblutet. Insulin kann in diesem Bereich deshalb nur sehr langsam und unregelmäßig absorbiert werden. Das bedeutet, dass die Menge an benötigtem Insulin mehr und mehr steigt, während die Blutzuckerwerte schwanken. Dass die Injektionen in diesem Bereich mit der Zeit weniger schmerzhaft werden, liegt ebenfalls am Narbengewebe, das weniger mit Nerven durchsetzt ist.
Spritzstellen bei jeder Injektion wechseln
"Lieblingsspritzstellen" sollten deswegen unbedingt vermieden werden. Jede neue Injektionsstelle sollte stattdessen mindestens zwei Zentimeter von der vorherigen entfernt sein. So können unter Umständen auch die unschönen Beulen wieder verschwinden. Allerdings kann dieser Prozess zwischen mehreren Monaten und zwei Jahren dauern. Als Injektionsstellen kommen alle Körperregionen in Frage, in denen das Unterhautfettgewebe ausreichend dick ist. Das kann am Bauch, am Gesäß oder am Oberschenkel sein.
Entscheidend ist, dass das Insulin ins Unterhautfettgewebe gelangt, die Nadel aber die darunter liegende Muskulatur nicht trifft. Denn das ist zum einen ziemlich schmerzhaft, zum anderen führt es dazu, dass das Hormon durch die stärkere Durchblutung des Muskels schneller in den Blutkreislauf gelangt. Bei Unachtsamkeit besteht so die Gefahr einer Hypoglykämie. Da das Unterhautfettgewebe am Oberarm besonders dünn ist, wird an dieser Stelle die Insulininjektion heute kaum mehr empfohlen. An den anderen genannten Stellen erfolgt die Injektion am besten in eine Hautfalte, die von Daumen und Zeigefinger gebildet wird. So ist die Gefahr, den Muskel zu treffen, am geringsten. Wichtig ist, für die Hautfalte nicht die ganze Hand zu benutzen. Denn dann besteht die Möglichkeit, dass auch die unter dem Fettgewebe liegende Muskulatur angehoben und getroffen wird.
Nach der Injektion sollte die Nadel nicht zu früh wieder entfernt werden, sondern noch einige Sekunden in der gewählten Stelle verbleiben. So ist sichergestellt, dass der Pen sein Insulin vollständig abgegeben hat und gleichzeitig das Hormon nicht durch den Einstichkanal wieder zurückläuft. Ansonsten könnte eine zu geringe Dosis zu erhöhten Blutzuckerwerten führen.
Unterschiedliche Körperregionen, unterschiedliche Insulinwirkung
Außerdem sollte beachtet werden, dass Insulin in verschiedenen Körperregionen unterschiedlich schnell seine Wirkung entfaltet. Am schnellsten wirkt Insulin, wenn es in den Bauch gespritzt wird, danach im Gesäß, und am langsamsten wird es an den Oberschenkeln absorbiert. Um den Einfluss auf den Blutzucker besser abschätzen zu können, sollte das Insulin jeweils zur gleichen Tageszeit in die gleiche Körperregion gespritzt werden, so z. B. nach dem Mittagessen immer in den Bauch und vor dem Schlafengehen in den Oberschenkel.
Die Aufnahme des Insulins kann aber auch durch äußere Einflüsse wie Hitze oder Kälte verändert sein. Hitze, sportliche Betätigung oder eine Massage steigern die Durchblutung und lassen das Insulin schneller in den Kreislauf übergehen. Dagegen wird Insulin langsamer aufgenommen bei Kälte oder z. B. nach Nikotingenuss, wenn sich die kleinsten Äderchen zusammenziehen und zu einer Minderdurchblutung führen.
Ebenfalls am besten nach jeder Injektion: Nadel wechseln
Egal, in welche Körperregion Insulin gespritzt wird, wichtig ist, regelmäßig die Nadel zu wechseln. Und zwar möglichst nach jeder Injektion. In Deutschland wechseln Diabetiker die Injektionsnadeln im Schnitt nach 9,2 Injektionen (in Frankreich z. B. sind es 1,5). Bei mehrmaliger Verwendung kann es - nicht sichtbar für das menschliche Auge - zum Abstumpfen der Spitze kommen. So wird die Injektion nicht nur schmerzhafter, sondern sie kann auch zu Verletzungen im Gewebe führen, die sich durch blaue Flecken bemerkbar machen. Außerdem kann das Insulin einer vorherigen Verwendung in der Nadel auskristallisieren und somit die Injektion unmöglich machen.
Wer seine Spritzstellen mit jeder Injektion wechselt, hat also schon viel getan für die Vermeidung von unschönen Beulen und für die optimale Wirkung des Insulins. So werden nicht nur die Blutzuckerwerte stabiler, sondern es wird auch weniger Insulin benötigt. Und damit der Einstich weniger schmerzt sollte die Nadel regelmäßig gewechselt werden.







