Informationssuche in Zeiten von Social Media: "Der Arzt gibt dir eine Antwort, die Community mehrere!"

Informationssuche in Zeiten von Social Media

Bastian Hauck aus Berlin ist einer von über 7 Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland. Der 36-Jährige hat seit 17 Jahren Typ-1: Als Besitzer einer eigenen Werft ist er viel unterwegs, versucht seine Blutzuckerwerte aber immer im Blick zu haben. Ob als Schichtarbeiter, Hochleistungssportler oder viel reisende Eventmanagerin – jeder Mensch mit Diabetes ist anders und deswegen müssen auch persönliche Faktoren bei der Diabetestherapie betrachtet werden. Denn nur so kann ein Mensch mit Diabetes auch außerhalb der Arztpraxis seine Therapie erfolgreich durchführen. Für Hauck bedeutet "außerhalb der Arztpraxis" zunehmend "innerhalb des Internets" und "in Social Media": "Der Arzt gibt dir eine Antwort, die Community mehrere!"

Regelmäßig hält Bastian Hauck die Termine bei seinem Diabetologen ein: Neben medizinischen Untersuchungen, zu erhebenden Laborwerten und auszustellenden Rezepten bleibt oft nur wenig Zeit, persönliche Fragen zu stellen: Was mache ich mit meinem Blutzuckermessgerät beim Schwimmen? Wie gehe ich gegenüber neuen Freunden mit Diabetes um? Was ist eine gute Alternative für Traubenzucker? "Solche Alltagsthemen sind für den Arzt nicht unbedingt relevant. Diese Fragen stelle ich eher anderen Diabetikern. Der Arzt gibt dir eine Antwort, die Community mehrere!", erklärt Hauck. Diese Kanäle werden nicht mehr allein für die Informationssuche genutzt, sondern vor allem für den persönlichen Austausch mit anderen Menschen mit Diabetes. Die klassische Selbsthilfegruppe verlagert sich damit zunehmend ins Internet.

Hauck nutzt die sozialen Medien als Möglichkeit, sich zu motivieren und den Alltag mit Diabetes besser zu bewältigen: "Den meisten Diabetikern fehlt zwar die ärztliche Erfahrung und das Fachwissen, doch intuitiv kennt niemand unseren Diabetes besser als wir selbst: Wir sind unsere eigenen Diabetes-Experten." Dies bedeutet, dass im Internet nicht immer alle Antworten medizinisch richtig sind. Falsche Aussagen werden entweder in der Gruppendiskussion enttarnt oder müssen vom Einzelnen herausgefiltert werden. 2012 initiierte der Unternehmer die Deutsche Diabetes Online Community #dedoc (www.dedoc.de), einen virtuellen Stammtisch via Twitter für junge Menschen mit Diabetes. Innerhalb der Online-Community können individuelle Erfahrungen ausgetauscht, aber auch Motivation und Bewältigungsstrategien entwickelt werden: Jeden Mittwoch ab 21 Uhr diskutieren die Tweet-Chat-Teilnehmer über spannende Diabetesthemen; um 22 Uhr spielen sie Blutzucker-Bingo – mitmachen kann jeder. Ein Teilnehmer bestimmt vorher einen Blutzuckerzielwert zwischen 90 und 140 mg/dl. Wer die geringste Abweichung hat, darf den Zielblutzucker in der nächsten Woche bestimmen. „Das macht Spaß und motiviert. Ich wette, die besten Blutzuckerwerte erreichen unsere Teilnehmer immer mittwochs um zehn Uhr“, berichtet Hauck grinsend.

Die Online-Plattform #dedoc ist ein Beispiel dafür, die ärztlichen Bemühungen sinnvoll zu ergänzen. Um den Diabetesalltag besser zu managen, darf das wichtigste nie vergessen werden: sich als Mensch mit Diabetes täglich zu motivieren. #dedoc zeigt, welch motivierende Kraft Gruppendynamik im Netz entfalten kann, wie moderne Formen der Selbsthilfe klassische Beratungsangebote ergänzen können – und wo die Grenzen liegen.

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