Nervenschäden vorbeugen

Nervenschäden vorbeugen

Fühlen, schmecken, sehen, riechen, tasten – erst die Nerven ermöglichen es Menschen, die Umwelt mit allen Sinnen wahrzunehmen. Bei Menschen mit Diabetes kann es vorkommen, dass diabetische Nervenschäden nicht erst als Folgekomplikation, sondern oftmals auch schon zum Zeitpunkt der Diagnose eines Typ-2-Diabetes aufkommen. Frühzeitig erkannt, lässt sich das Fortschreiten oft verhindern.

Mehr als jeder dritte Mensch mit Diabetes wird im Laufe seines Lebens mit einer diabetischen Nervenschädigung konfrontiert. Die Ursache für diese diabetesbedingten Neuropathien sind vor allem zu hohe Glukosewerte, doch auch einige andere Faktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel, erhöhte Blutfette, Rauchen und der regelmäßige Konsum von Alkohol können die Entstehung dieser Begleiterkrankung fördern1.

Vielfältiges Erscheinungsbild

Obwohl die diabetische Nervenerkrankung nicht selten ist, wissen drei Viertel der Betroffenen nichts davon2. Da die Schädigung der Nerven in den unterschiedlichsten Formen auftreten kann und vielfältige, zum Teil auch sehr unangenehme und schwerwiegende Beschwerden verursacht, ist es besonders wichtig, diese Störung früh zu erkennen und zu behandeln. Nur so lässt sich verhindern, dass die diabetische Nervenerkrankung fortschreitet.

Die am meisten verbreitete Form betrifft die Nerven, die für die Übermittlung von Druck-, Berührungs-, Schmerz- und Temperatursignalen zuständig sind. Hierbei treten die Beschwerden meist beidseitig auf, vor allem in Zehen, Füßen und Fingern. Typische Anzeichen sind Missempfindungen, wie Kribbeln ("Ameisenlaufen"), Taubheitsgefühl, aber auch brennende, reißende oder stechende Schmerzen, vor allem in den Füßen. Die Beschwerden werden in Ruhe und nachts verstärkt empfunden. Auch Muskelschwäche und Gangunsicherheit treten in Verbindung mit einer diabetischen Nervenschädigung auf.

Da die Gefühlsempfindung für Druck, Berührung, Schmerz und Temperatur im Bereich der Füße abgeschwächt ist oder ganz fehlt, kann es zu Druckstellen kommen oder sogar zur Ausbildung eines Geschwürs.

Seltener kommt es zu Ausfällen einzelner Nerven, die zu Schmerzen und Muskelschwäche führen können. Diese autonome Neuropathie kann nahezu jedes Organ befallen und zeichnet ein vielfältiges Bild von Symptomen wie Blutdruckabfall mit Schwindel beim Aufstehen, Übelkeit, Erbrechen oder Völlegefühl, Durchfall, Verstopfung, Störungen der Sexualfunktion und trockene, rissige Haut im Fußbereich. Glücklicherweise treten die meisten der Beschwerden in ausgeprägter Form relativ selten und meist erst nach langer Diabetesdauer auf.

Da viele Symptome, die auf eine diabetische Nervenschädigung hinweisen, auch bei anderen Erkrankungen auftreten können, ist es wichtig, die Ursache für Beschwerden von einem Facharzt abklären zu lassen.

So bleiben Ihre Nervenzellen fit

Eine diabetische Nervenschädigung ist kein unabwendbares Schicksal, denn neben der Diabeteseinstellung beeinflusst auch der Lebensstil die Erkrankungswahrscheinlichkeit: wer auf gute Blutzuckerwerte achtet, sich regelmäßig bewegt, nicht raucht und nur wenig Alkohol konsumiert, senkt sein Risiko, jemals eine diabetische Nervenschädigung zu erleiden.

Doch nicht nur hohe Blutzuckerwerte scheinen nachteilig zu sein. Neue Erkenntnisse weisen darauf hin, dass auch eine zu rasche Absenkung der Blutzuckerwerte im Rahmen einer Therapie eine Nervenschädigung fördern könnte. Eine neue Studie gibt Hinweise darauf, dass es bei fast jedem zehnten Teilnehmer nach Therapieumstellung mit einer zügigen Blutzuckersenkung zu schmerzhaften Nervenschäden kam, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Neurologie3.

Die Vorsorge-Empfehlungen im Überblick:
  • Gut eingestellte Blutzucker- und Blutdruckwerte
  • Auf Blutfettwerte achten: cholesterinarme Ernährung schützt vor Verengung der Blutgefäße
  • Alkohol und Nikotin nur in Maßen
  • Regelmäßige Arzt-/Fachbesuche (Neurologe etc.)
  • Fußpflege durch ausgebildete Podologen und häusliche Fußpflege
  • Regelmäßige Bewegung und Sport

Weitere Informationen zu Folgeerkrankungen bei Diabetes finden Sie in unserem Accu-Chek Ratgeber.

Quellen:
1 Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2015
(http://www.diabetesde.org/fileadmin/users/Patientenseite/PDFs_und_TEXTE/Infomaterial/Gesundheitsbericht_2015; Stand: 11.3.2015)

2 Differential Association Between Biomarkers of Subclinical Inflammation and Painful Polyneuropathy: Results From the KORA F4 Study. Diabetes Care 2014 [Epub ahead of print] in: H.U. Janka: Subklinische Inflammation und diabetische Neuropathie (http://www.diabetologie-online.de/a/1678675; Stand: 11.03.2015)

3 Polyneuropathie durch Diabetesbehandlung (http://www.diabetologie-online.de/a/1693198; Stand: 11.3.2015)

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