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Diabetes in Risikoberufen: Darf ich in meinem Traumjob arbeiten?

Diabetes in Risikoberufen: Darf ich in meinem Traumjob arbeiten?Auch mit Diabetes stehen einem
beruflich viele Wege offen – den
Traumjob muss man nur selten an
den Nagel hängen.

Die Botschaft von Dr. Kurt Rinnert ist eindeutig: „Menschen mit Diabetes können im Job viel mehr leisten als sie laut Rechtsprechung oft dürfen.“ Beim T1Day1 in Berlin erklärte der Kölner Arbeitsmediziner, worauf es beim Risikomanagement von Diabetes im Beruf ankommt. Seiner Auffassung nach berücksichtigt die Rechtslage längst noch nicht all die technologischen Entwicklungen auf dem Gebiet intelligenter Assistenzsysteme, die Menschen mit Diabetes heute bei einer stabilen Glukoseeinstellung und der Vermeidung gefährlicher Hypoglykämien helfen. Hierzu zählen insbesondere Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (rtCGM), die ihren Nutzer warnen, wenn die Glukosewerte den Zielbereich verlassen.

Statt Dienst an der Waffe Einsatz im Innendienst

Lediglich bei einigen ausgewählten Berufsgruppen sind die Gefahren einer kritischen Stoffwechsellage zu groß, als dass sich das Risiko durch geeignete Technik kompensieren lässt. Hierzu zählen Angehörige von Berufen, die Dienst an der Waffe leisten – sprich: Polizisten in Spezialeinsatzkommandos und Bundeswehrsoldaten. Wer bereits bei der Bewerbung einen Typ-1-Diabetes hat, muss sich also auf eine Absage gefasst machen. „Wer zum Zeitpunkt der Diagnose aber bereits in einem dieser Jobs arbeitet, wird in Absprache mit seinem Dienstherrn in der Regel in den Innendienst versetzt“, sagte Dr. Rinnert.

In voller Einsatzmontur kann man keinen Traubenzucker essen

Dass Menschen mit Diabetes nicht als Industrietaucher oder Feuerwehrleute aus der Angriffsgruppe arbeiten dürfen, kann der Arbeitsmediziner ebenfalls nachvollziehen: „Schauen Sie sich einmal an, wie diese Leute in voller Einsatzmontur aussehen. Die haben mit ihren Sauerstoff- und Atemschutzmasken keine Möglichkeit, bei einer Hypoglykämie schnell etwas Traubenzucker zu sich zu nehmen.“ Die meisten anderen Jobs aber sind für Menschen mit Diabetes nicht grundsätzlich tabu. Hier kommen die Betriebsärzte ins Spiel: Sie können je nach berufsspezifischem Risiko die Glukose-Zielbereiche und auch die Zeit im Zielbereich enger oder weiter fassen.2 Je größer das Risiko, sich selbst oder andere Menschen zu gefährden, desto stabiler und zuverlässiger muss der Stoffwechsel eingestellt sein.

Chirurg, Kapitän oder LKW-Fahrer – das geht auch bei Insulintherapie

Nach Einschätzung von Dr. Rinnert spricht bei einer stabilen Stoffwechsellage auch nichts dagegen, dass Menschen mit Diabetes als Piloten, Chirurgen, Kapitäne oder LKW-Fahrer arbeiten. „Hier erhöhen strikte Verbote das Risiko, dass Menschen mit Diabetes nicht offen mit ihrer Erkrankung umgehen und kein transparentes, strukturiertes Risikomanagement betreiben.“ So dürfen in Deutschland auch Menschen mit Diabetes, die Insulin spritzen, inzwischen als LKW-Fahrer arbeiten. Voraussetzung ist, dass sie Unterzuckerungen rechtzeitig bemerken bzw. vermeiden und sich regelmäßig fachärztlich untersuchen lassen.3 Auch ein Chirurg, der seinen Diabetes mit Insulin behandelt, kann seinen Beruf durchaus weiter ausüben – sofern er seinen Blutzucker gut im Griff hat und nicht zu unerkannten Unterzuckerungen neigt. „Wichtig ist, dass das gesamte OP-Team Bescheid weiß und gemeinsam verantwortungsvoll mit dem potenziellen Risiko einer Unterzuckerung umgeht“, erklärte Dr. Rinnert. Ganz ähnlich handhabt man es auch in der Seefahrt: Ob jemand auch mit Diabetes als Seemann, Maschinist oder Kapitän arbeiten kann, sollte immer im Einzelfall gemeinsam mit dem Betriebsarzt analysiert und entschieden werden.4

Nullrisiko gibt es nicht – nur akzeptables oder inakzeptables Risiko

Anders sieht es im Luftverkehr aus: Zumindest in Deutschland dürfen Menschen, die ihren Typ-1- oder Typ-2-Diabetes mit Insulin behandeln, noch immer nicht als Piloten arbeiten. Begründet wird dies mit dem erhöhten Risiko für Unterzuckerungen im Zusammenhang mit der Insulintherapie. In Großbritannien hingegen ist seit 2012 auch die Insulintherapie kein genereller Hinderungsgrund mehr, den Traumberuf Pilot zu ergreifen. Die britische Luftfahrtbehörde veröffentlicht seither regelmäßig aktualisierte Richtlinien, welche Anforderungen Piloten mit Diabetes erfüllen müssen, damit das Gefährdungsrisiko durch ihre Stoffwechselerkrankung beherrschbar bleibt.5 Dr. Rinnert fasste das Thema Diabetesmanagement so zusammen: „Ein Nullrisiko gibt es nirgendwo im Leben, auch nicht ohne Diabetes. Selbst einfach hier zu sitzen und meinen Vortrag anzuhören, birgt ein gewisses Risiko – z. B. einzuschlafen, mit dem Kopf auf die Tischplatte zu knallen und sich so eine Platzwunde zuzuziehen.“

Praktische Tipps, damit der Diabetes im Job nicht zum Problem wird:
  • Diabetes erwähnen oder nicht? Bewerber müssen ihren Diabetes gegenüber dem potenziellen Arbeitgeber nur dann erwähnen, wenn ihnen bewusst ist, dass die Erkrankung sie an der Ausübung des Berufs hindern könnte. Ansonsten muss eine chronische Erkrankung bei der Bewerbung nicht erwähnt werden. So sieht es das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG)6 vor.
  • Grundsätzlich steht einer Verbeamtung auch mit Diabetes nach gängiger Rechtsprechung nichts im Wege. Sollte eine Behörde die Verbeamtung verweigern, empfiehlt Dr. Rinnert, mit Hilfe eines Gutachters oder auch juristisch gegen diese Entscheidung vorzugehen.
  • Wenn es um den Erhalt des Arbeitsplatzes geht, haben Menschen mit Diabetes unter Umständen Anspruch auf Leistungen des Integrationsamts7 oder der Rentenversicherung (Stichwort: Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, kurz LTA8).
  • Insbesondere in Berufen mit erhöhtem Risikopotenzial ist es sinnvoll, den Vorgesetzten und die unmittelbaren Kollegen ins Vertrauen zu ziehen. Sie sollen schließlich wissen, wie sie sich im Falle einer Unterzuckerung richtig verhalten und helfen können.
  • Wenn die Glukosewerte einmal nicht mitspielen, wäre es insbesondere bei Tätigkeiten mit erhöhtem Risikopotenzial fahrlässig, sich nicht die Zeit zu nehmen, die es nun einmal braucht, um den Zuckerwert wieder zu stabilisieren. Arbeitnehmer können zwar nur unter bestimmten Voraussetzungen für Fehler haftbar gemacht werden, die ihnen im Job unterlaufen. Doch wer die erforderliche Sorgfalt in ungewöhnlich hohem Maße verletzt und unbeachtet lässt, handelt grob fahrlässig und trägt volle Verantwortung für die entstandenen Schäden. Übrigens gilt auch hier: Kollegen reagieren verständnisvoller auf die eine oder andere „Extrapause“, wenn sie Bescheid wissen.

1 T1Day. Der Tag von, mit und für Typ-1-er. 27. Januar 2019, Berlin. https://t1day.de/

2 Checkliste für Betriebsärzte und Diabetologen von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (BASI) https://www.basi.de/checkliste-betriebsaerzte-diabetologen/

3 Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) vom Mai 2018 https://www.bast.de/BASt_2017/DE/Verkehrssicherheit/Fachthemen/BLL/Begutachtungsleitlinien.pdf

4 An welchen Kriterien sich Betriebsärzte dabei orientieren, kann man im Leitfaden für Betriebsärzte zu Diabetes und Beruf (Deutsche Gesetzlichen Unfallversicherung, 2011) nachlesen. https://www.dguv.de/medien/inhalt/praevention/praev_gremien/arbeitsmedizin/produkte/leitfaeden/leit_betriebs_diabetis.pdf

5 Richtlinien der britischen Luftfahrtbehörde (UK Civil Aviation Authority, CAA) für Piloten mit Diabetes, November 2018 https://www.caa.co.uk/uploadedFiles/CAA/Content/Standard_Content/Medical/Metabolic_and_Endocrinology/Files/v5.0%20Nov%202018%20Diabetes%20Guidance%20Material.pdf

6 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) https://www.gesetze-im-internet.de/agg/

7 Einen Überblick über Angebote und Leistungen der Integrationsämter gibt es hier https://www.integrationsaemter.de

8 Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Rahmenkonzept der Deutschen Rentenversicherung vom 21. August 2018 https://www.deutsche-rentenversicherung.de/cae/servlet/contentblob/207034/publicationFile/2130/rahmenkonzept_lta_datei.pdf

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