Interview mit Matthias Steiner: "Seitdem ich die Pumpe habe, bin ich überglücklich!"

Interview mit Matthias Steiner: 'Seitdem ich die Pumpe habe, bin ich überglücklich!'
Die Blutzuckerwerte immer im Blick haben, sich täglich spritzen und die Mahlzeiten berechnen – dies ist für viele Menschen mit Diabetes Alltag, den auch Matthias Steiner kennt. Der Olympiasieger erhielt einen Tag vor seinem 18. Geburtstag die Diagnose Typ-1-Diabetes. Seit Februar 2014 trägt er die Accu-Chek Spirit Combo Insulinpumpe und ist überglücklich. Mit seiner Frau Inge Steiner und seinen zwei Kindern wohnt der gebürtige Österreicher in Heidelberg. Das Ehepaar berichtete uns von seinen Erfahrungen mit der Insulinpumpe in den ersten drei Monaten.
Matthias Steiner, obwohl Sie Ihre Sportlerkarriere letztes Jahr beendet haben, sind Sie weiterhin viel unterwegs. Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie derzeit? Bereuen Sie Ihre damalige Entscheidung?

Mir geht es sehr gut und ich bereue meine Entscheidung nicht. Ich habe diesen Entschluss aufgrund privater und beruflicher Rahmenbedingungen bewusst gewählt. Aktuell genieße ich die Zeit mit meiner Familie und kann mich auf andere Dinge konzentrieren.

Seit Ihrem 18. Lebensjahr haben Sie Diabetes und seit diesem Jahr tragen Sie die Accu-Chek Spirit Combo Insulinpumpe. Warum haben Sie sich erst jetzt dafür entschieden?

Während meiner Sportlerkarriere hatte ich eine flexible Insulintherapie mit Pen und dank strikter Planung einen guten HbA1c-Wert. Mir fehlte außerdem die Zeit, um ein lückenloses Tagebuch zu führen und mich stationär einstellen zu lassen; dies war aber notwendig, um eine Insulinpumpe zu erhalten. Neben der Zeit spielten auch Unsicherheit und Angst eine große Rolle. Wo bringe ich die Pumpe nachts unter? Was passiert, wenn mir jemand die Nadel rausreißt? Fragen, die mich beschäftigten.

Und wie denken Sie jetzt darüber?

Heute weiß ich, dass meine Zweifel unbegründet waren. Seitdem ich die Pumpe habe, bin ich überglücklich. Einmal Pumpe und nie wieder zurück.

Welche Vorteile sehen Sie in der Insulinpumpe?

Insbesondere nachts ist die Pumpe der allergrößte Gewinn. Vor der Umstellung hatte ich nachts öfters schwankende Blutzuckerwerte, jetzt liegen sie durchgehend im Normbereich. Außerdem hilft die Pumpe mir, meinen Alltag flexibel zu gestalten. Gemütliche Tage zu Hause, berufliche Termine unterwegs oder Abholtermine im Kindergarten sind mit Insulinpumpe viel einfacher zu handhaben. Ich muss mich zwischendurch nicht mehr spritzen und kann spontan planen. Oder wenn ich abends z.B. auf langen Bällen unterwegs bin, genieße ich die Fernbedienungsfunktion meines Accu-Chek Aviva Combo um Insulin abgeben zu können, ohne dass es jemand sieht. Da ist die Pumpe ein richtiger Traum und schenkt mir Lebensqualität.

Frau Steiner, haben Sie gemerkt, dass sich seit der Umstellung etwas verändert hat?

Ja, auf jeden Fall. Ich bin dank der stabileren Werte viel entspannter. Früher habe ich meinen Mann nachts immer geweckt und am unregelmäßigen Atem gespürt, wenn der Blutzucker nicht in Ordnung war. Heute vergesse ich manchmal, dass Matthias Diabetes hat; auch tagsüber. Und wenn wir unterwegs sind, genieße ich den Platz in meiner Handtasche. Früher hatte ich immer Matthias' "Geraffel", wie ich es genannt habe, dabei, das heißt Insulinpens und weitere Diabetesutensilien.

Seitdem Sie mit Ihrer Profilaufbahn aufgehört haben, verfolgen Sie einen neuen sportlichen Plan: abnehmen. 35kg sind bereits runter. Warum haben Sie sich dazu entschieden und was ist Ihr Wunschgewicht, Herr Steiner?

Während meiner Sportlerkarriere wog ich 150 kg, um in meiner Gewichtsklasse mithalten zu können. Nachdem ich aufgehört habe, war dies nicht mehr notwendig; ich habe mich nicht mehr wohl gefühlt und alltägliche Dinge wie ins Auto einsteigen fielen mir schwerer. Neben einer Ernährungsumstellung steht weiterhin Sport auf dem Plan: Gewichtheben, Krafttraining oder beispielsweise zum Königstuhl in Heidelberg wandern. Außerdem fahre ich viel mit dem Fahrrad statt mit dem Auto. Bis zu meinem Geburtstag im Sommer möchte ich gerne weniger als 110 Kg wiegen.

Abnehmen, Sport und Diabetes: Passt das zusammen?

Ja, auf jeden Fall. Mit Hilfe der Insulinpumpe kann ich die Basalrate reduzieren und die Werte konstant halten. Früher musste ich entweder vor, während oder nach dem Sport immer einen Riegel essen, weil die Blutzuckerwerte sinken; das fällt jetzt meist weg. Ich habe das Gefühl, die Pumpe simuliert, wie ein gesunder Mensch zu leben.

Sie nutzen Accu-Chek Aviva Combo als Fernbedienung und als Ersatzgerät. Ihr täglicher Begleiter ist aber Accu-Chek Mobile. Warum?

Accu-Chek Mobile nutze ich, weil das Gerät einfach 50 Messstreifen am Stück besitzt, ohne im Endeffekt einen Streifen zu haben; eine Art Tonbandkassette, die im Kreis fährt. So habe ich alles in Einem und keine Messstreifen mehr, die ich wegschmeißen muss. Es gibt keine Messstreifendose mehr und auch die Stechhilfe ist am Gerät. Dass Messgerät trage ich außerdem unauffällig in einer Handysocke, sodass es aussieht, als ob ich mit einem Telefon rumlaufen würde.

Ihr größter Rückhalt ist Ihre Familie. Frau Steiner, wie gehen Sie und Ihre Kinder mit der Erkrankung Ihres Mannes um?

Als Partnerin mache ich mir schon Gedanken und achte aus Solidarität darauf, dass die Werte im Normbereich liegen. Unser kleinerer Sohn Max ist erst ein Jahr alt und versteht das noch nicht, aber Felix geht für sein Alter relativ erwachsen damit um, obwohl er erst vier Jahre alt ist. Er durfte bereits das Infusionsset legen, einen bunten Aufkleber für die Pumpe aussuchen und weiß Bescheid, wenn der Papa einen "Unterzucker-Keks" essen muss.

Mit Ihrem offenen Umgang mit Ihrer Krankheit sind Sie, Herr Steiner, ein Vorbild für andere Diabetiker. Als engagierter Botschafter für Diabetes und für KIO (Kinderhilfe Organtransplantation) setzen Sie sich für andere Menschen ein. Was motiviert Sie?

Natürlich in erster Linie mein eigener Diabetes. Ausgebildete Ärzte vermitteln uns Fachwissen, aber Diabetes ist auch viel Psychologie und ich möchte anderen Diabetikern Mut machen. Da ich mir deshalb mehr Gedanken um meinen Gesundheitsstatus als Andere mache, bin ich außerdem überzeugter Träger eines Organspendeausweises. Da nur wenige Menschen in Deutschland den Ausweis tragen, möchte ich die Aufmerksamkeit für diesen erhöhen. Wenn jemand partout nicht spenden möchte, akzeptiere ich dies natürlich. Die Person soll das aber in den Ausweis eintragen, um die Verantwortung im Notfall nicht seiner Familie überlassen zu müssen.

Vielen Dank für das Interview! Es ist beeindruckend, wie Sie es schaffen, andere zu motivieren und welche positiven Ausstrahlung Sie besitzen – trotz der chronischen Erkrankung. Wie schaffen Sie das? Haben Sie ein Lebensmotto?

Ich verfolge den Grundsatz, dass man Dinge akzeptieren sollte, die sich nicht ändern lassen. Als ich damals die Diagnose Diabetes erhielt, hat mir der Arzt geraten, mit dem Sport aufzuhören. Hätte ich seine Empfehlung befolgt, hätte ich ja trotzdem noch Diabetes gehabt. Ein richtiges Lebensmotto habe ich nicht, aber wenn gar nichts mehr geht, sage ich mir immer "Aufstehen, Mund abputzen, weitermachen!"

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