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Gesunde Ernährung: Unser Gehirn entscheidet nicht allein nach vernünftigen Kriterien

Gesunde Ernährung: Unser Gehirn entscheidet nicht allein nach vernünftigen KriterienEigentlich wissen wir, welches
Essen gesund ist. Aber unser Gehirn
entscheidet oft nicht nach rationalen
Kriterien.

Frisches Gemüse ist gesünder als Frittiertes. Vollkorn enthält mehr wichtige Inhaltsstoffe als Weißmehl. Mit den Empfehlungen für eine gesunde Ernährung sind die meisten Menschen durchaus vertraut. Doch es hapert an der Umsetzung im Alltag: Warum nur fällt es so schwer, sich danach zu richten? Ein Ernährungspsychologe und ein Kulturwissenschaftler kennen die Gründe: Es liegt an den Entscheidungsstrukturen im Gehirn.

„Fünf am Tag“ lautet der Titel einer Kampagne, die Menschen dazu bewegen soll, mehr Obst und Gemüse zu essen. Viel Gemüse und Obst, am besten fünf Portionen am Tag. Vollkorn statt Weißmehl, wenig Zucker, lieber Fisch als Wurstwaren... Die Liste der gutgemeinten Empfehlungen ist lang – doch der Effekt von Ernährungsaufklärung tendiert gegen Null. So zeigen diverse Studien und Umfragen, dass es nur den wenigsten Menschen gelingt, den Empfehlungen zur gesunden Ernährung zu folgen – meist sogar wider besseres Wissen. So geht aus der Nationalen Verzehrstudie1 zum Beispiel hervor, dass die Befragten durchschnittlich nur 120 Gramm Gemüse pro Tag essen anstatt der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen 400 Gramm.

Wissenschaftler reden von Ernährung, die Menschen nennen es Essen

Doch warum gelingt es selbst den Aufgeklärten unter uns nur selten, den allseits bekannten Empfehlungen für eine gesunde Ernährung wirklich zu folgen? Dieser Frage sind Privatdozent Dr. Thomas Ellrott, Ernährungspsychologe aus Göttingen und Professor Gunther Hirschfelder, der in Regensburg vergleichende Kulturwissenschaften lehrt, nachgegangen. Beim Kongress Ernährung 2018 präsentierten sie ihre Erkenntnisse.2 Das Hauptproblem: Während Experten in der Regel von Ernährung sprechen und meinen damit eine stoffliche Angelegenheit, die sich rational erfassen lässt, nennen Menschen Ernährung in ihrem persönlichen Alltag Essen – und das ist nun einmal ein emotional gesteuerter kultureller Akt.

Im hektischen Alltag überlassen wir Ernährungsentscheidungen der Intuition

Welche Faktoren zu diesen emotionalen Entscheidungen beitragen, erklärte Dr. Ellrott mit der Arbeitsweise des menschlichen Gehirns: „In unserem Gehirn sind zwei Bereiche für Entscheidungen zuständig. Da gibt es zum einen das intuitive System, eine Art Autopilot, der sich an Gewohnheiten orientiert und deshalb sehr schnell reagiert – auch dann, wenn das Gehirn gerade mit anderen Arbeiten beschäftigt ist.“ Der andere Bereich ist das räsonierende System, das auf Basis von Sachinformationen entscheidet. Letzteres ist allerdings ein echter Energiefresser, wie Dr. Ellrott betonte:

„Wenn das räsonierende System arbeitet, ist das Gehirn voll ausgelastet und hat keine Kapazitäten mehr für andere Dinge.“ Im schnelllebigen Alltag und digitalen Dauerstress bleibt den Menschen allerdings keine Zeit, ausführlich und gründlich abzuwägen, welches Essen auf den Tisch kommen soll. Deshalb überlassen sie beim Essen meist dem intuitiven System die Entscheidung.

Das intuitive System aber greift bei seinen blitzschnellen Ernährungsentscheidungen auf lang antrainierte Gewohnheiten zurück. Und die wiederum sind stark kulturell geprägt, wie Prof. Hirschfelder betonte. Wir essen gern Lebensmittel, die wir schon als Kind mochten und die wir mit Erinnerungen oder angenehmen Gefühlen verbinden.

Innehalten, sich selbst beobachten und das eigene Verhalten steuern

Wer sein Essverhalten verändern und sich gesünder ernähren möchte, dem raten Prof. Hirschfelder und Dr. Ellrot zum bewussten Einüben neuer Rituale, auf die das intuitive System in seinem Entscheidungsprozess dann blitzschnell zugreifen kann. Folgende Tipps können insbesondere Menschen mit Diabetes dabei helfen, im entscheidenden Moment innezuhalten und rechtzeitig die Notbremse zu ziehen, wenn es sie mal wieder zum Schokoriegel statt zum gesunden Quark mit frischen Früchten treibt:

  • Kerze anzünden. Wer beim Gang vom Fernseher zur Toilette immer den Kühlschrank plündert, kann sich zum Beispiel angewöhnen, vor dem Kühlschrank immer erst eine Kerze anzuzünden. Der damit verbundene Moment des Innehaltens hilft, sich das eigene automatisierte Verhalten bewusst zu machen und im letzten Moment gegenzusteuern. Und nicht vergessen: Die Kerze wieder auspusten!
  • Apps nutzen. Es gibt mittlerweile unzählige Smartphone-Apps zu Ernährung, Kalorienzählen und Abnehmen, die sich ebenfalls zur Selbstbeobachtung und Reflektion eignen: Wer als Zwischenschritt sein Essen in eine App einträgt und digitales Feedback für seine Ernährungsentscheidung erhält, kann seinem unvernünftigen Autopiloten leichter ein Schnippchen schlagen. Auch digitale Gesundheitsprogramme für Menschen mit Typ-2-Diabetes und Prä-Diabetiker, wie Accu-Chek View, funktionieren über eine App und über ein Online-Portal. Hier kann der behandelnde Arzt Stolpersteine im täglichen Ernährungsverhalten erkennen und hilfreiche Maßnahmen vorschlagen, falls sein Patient immer öfter auf den unvernünftigen Teil seinen Gehirns hört.
  • Blutzucker dokumentieren. Blutzucker messen, den Wert in die App eintragen, falls notwendig die erforderliche Insulindosis berechnen und diese dann auch dokumentieren – mit dem Smartphone geht das heutzutage schnell und einfach. Aber man kann diese Zwischenschritte auch als Achtsamkeitsritual nutzen. So können sie dem langsamen Verstand dabei helfen, wieder die Oberhand zu gewinnen. Das gilt erst recht, wenn man dank der gründlichen Dokumentation beobachten kann, wie ein schneller und ungesunder Snack zwischendurch den Blutzucker nach oben treibt.

Quellen:
  1. Nationale Verzehrstudie – die bundesweite Befragung zur Ernährung von Jugendlichen und Erwachsenen, Max Rubner-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, 2008 https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ernaehrung/NVS_ErgebnisberichtTeil2.pdf?__blob=publicationFile
  2. Eröffnungsvortrag beim Kongress „Ernährung 2018“ am 21. Juni 2018 in Kassel, Prof. Dr. G. Hirschfelder, Privatdozent Dr. Th. Ellrott: Psychologie und soziokulturelle Aspekte der Ernährung – „Warum essen wir nicht so, wie wir uns ernähren sollten?“
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