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Leben mit Diabetes: Ein bisschen Mathe schadet nie!

Leben mit Diabetes: Ein bisschen Mathe schadet nie!Wie viele Kohlenhydrate stecken in
einem Teller Nudeln und wie viel
Insulin ist dafür notwendig? Um
regelmäßige Zahlenspiele kommen
Menschen mit Diabetes nicht herum.

Lieblingsschulfach Mathematik? Das wird wohl nicht jeder von sich sagen können. Doch Menschen mit Diabetes unter Insulintherapie kommen um regelmäßige Zahlenspiele nicht herum: Wie viele Kohlenhydrate stecken in einer Mahlzeit? Und wie findet man die korrekte Insulindosis für sie heraus? Ein Überblick über die wichtigsten Rechenschritte – und welche digitalen Helfer das lästige Kopfrechnen in ferner Zukunft vielleicht überflüssig machen könnten.

Was haben eine Ofenkartoffel, Nudelsalat und eine Tafel Schokolade gemeinsam? Diese Lebensmittel werden zwar aus ganz unterschiedlichen Zutaten gemacht und schmecken grundverschieden. Doch sie alle enthalten Kohlenhydrate – und damit genau die Nährstoffe, für die Menschen mit Typ-1-Diabetes sowie viele Menschen mit Typ-2-Diabetes Insulin verabreichen müssen. Wie man Kohlenhydratmengen und die jeweils korrekte Insulindosis berechnet, lernt man zwar zu Beginn der Insulintherapie in einer Schulung – doch im Alltag ist es oft gar nicht so leicht, das erlernte Wissen praktisch umzusetzen. Wie also findet man heraus, wie viele Kohlenhydrate in einer Mahlzeit stecken und wieviel Insulin dafür erforderlich ist?

Welche Lebensmittel enthalten eigentlich Kohlenhydrate?

Wer sich bis dato nie sonderlich mit der Zusammensetzung seiner Nahrung beschäftigt hat, dem kann zu Beginn der Insulintherapie schnell der Kopf rauchen: Welche Lebensmittel enthalten Kohlenhydrate? Welche davon muss ich bei der Insulindosierung berücksichtigen? Und welche kann ich normalerweise vernachlässigen? Es gibt im Wesentlichen drei Sorten Lebensmittel1:

  • Lebensmittel mit Kohlenhydraten, die mit Insulin korrigiert werden müssen: Z. B. Getreide und sämtliche Getreideprodukte (Brot, Müsli, Reis, Nudeln, Mehl, Kuchen etc.), kohlenhydratreiche Gemüse (Kartoffeln, Süßkartoffeln, Kürbis, Möhren, Rote Bete, Mais, Steckrüben etc.), Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Erbsen, Sojabohnen und Produkte daraus etc.), Obst, Milchprodukte (Milch, Joghurt, Quark, Buttermilch, Kefir etc.), zuckerhaltige Getränke (Fruchtsaft, Limonade etc.), süße Brotaufstriche (Marmelade, Schokocreme, Zuckerrübensirup, Honig etc.) und natürlich sämtliche zuckerhaltige Süßigkeiten.
  • Lebensmittel mit Kohlenhydraten, die nicht berechnet werden müssen: Z. B. Gemüse in kleinen Mengen (außer die oben genannten kohlenhydratreichen Gemüsesorten), Zuckeraustauschstoffe (Zuckeralkohole, Stevia, chemische Süßstoffe etc.).
  • Lebensmittel ohne Kohlenhydrate: Z. B. pflanzliche und tierische Fette (Öl, Margarine, Butter), Käse, Fleisch und Fisch sowie entsprechende Produkte daraus.
Auf Nummer Sicher gehen: Wiegen und nachschlagen

Nachdem Sie nun wissen, welche Lebensmittel für die Insulindosierung relevant sind, kommen auch die Mengen ins Spiel. Hierzu ein Tipp: Wenn Sie noch keine Küchenwaage besitzen, sollten Sie ein solches Gerät unbedingt auf Ihre Einkaufsliste setzen. Denn insbesondere Diabetes-Neulinge haben meist noch kein verlässliches Gefühl für Kohlenhydratmengen und sollten Lebensmittel abwiegen – zumindest in der Anfangszeit. Im Alltag bedeutet das: Sämtliche kohlenhydrathaltige Zutaten werden abgewogen und berechnet. Wenn beispielsweise eine Scheibe Vollkornbrot insgesamt 50 Gramm auf die Waage bringt, dann enthält sie in der Regel zirka 20 Gramm Kohlenhydrate. Bei abgepacktem Brot findet man diese Angaben auf der Packung (bitte genau hinschauen, ob sich die Nährstoffangaben auf 100 Gramm oder auf eine Scheibe beziehungsweise eine andere, möglicherweise viel kleinere Portionsgröße beziehen!). Wer sein Brot lieber beim Bäcker kauft, kann am Tresen nach den Nährwertangaben fragen: In vielen Bäckereien sind sie in der Kasse hinterlegt und können auf Wunsch für jede Brot- oder Brötchensorte einfach ausgedruckt werden. Alternativ empfiehlt sich ein Blick in eine Nährwerttabelle – entweder online2 oder in Buchform3. Und dann ist der gute alte Dreisatz4 gefragt, der irgendwann einmal im Mathematik-Unterricht dran war. Ein Beispiel: Eine Tafel Schokolade von 100 Gramm enthält 50 Gramm Kohlenhydrate. Sie möchten einen Riegel von 20 Gramm davon essen. 100 geteilt durch 20 ergibt 5, somit müssen Sie nun auch die 50 Gramm Kohlenhydrate durch 5 teilen, um die Kohlenhydratmenge in Ihrem Riegel zu ermitteln: in diesem Rechenbeispiel also 10 Gramm und damit exakt eine Kohlenhydrateinheit (KE).

Das eigene Gefühl trainieren: Portionen und Mengen schätzen

Im Alltag hat man allerdings nicht immer eine Küchenwaage oder eine exakte Nährwerttabelle zur Hand. Dann hilft nur eins: mutig sein und schätzen! Vor Ihnen im Restaurant liegt neben dem Schweinebraten auch eine Portion Salzkartoffeln? Dann versuchen Sie sich zu erinnern, wie schwer eine vergleichbare Menge Kartoffeln war, die Sie zuletzt daheim ausgewogen haben. Oder Sie verwenden eine Faustformel, die Sie vermutlich in Ihrer Schulung gelernt haben: Eine Kartoffel von der Größe eines Hühnereis enthält ungefähr 10 Gramm Kohlenhydrate und entspricht damit einer KE. Nach wie vielen Kartoffeln dieser Größe sieht Ihre heutige Portion aus?

Sie können Ihr Gefühl für Schätzmengen auch trainieren, indem Sie zu Hause immer eine ganz bestimmte Schüssel zum Abwiegen verwenden. Wenn eine halbe Schale Müsli daheim beispielsweise rund 50 Gramm Müsli ergibt, dann können Sie den Inhalt der Müslischale am Hotelbuffet mit diesem Bild vor Ihrem geistigen Auge vergleichen. Ebenso hilfreich ist es, zu Hause einmal eine Reihe gängiger Mengen abzuwiegen und sich einzuprägen. Dann haben Sie auch unterwegs schnell praktikable Schätzgrößen parat. Etwa: eine KE entspricht ungefähr zwei Esslöffeln gekochtem Reis, zwei Handvoll Erdbeeren oder einer Praline.

Von der Kohlenhydratmenge zur passenden Insulindosis

Mit dem Berechnen oder Schätzen der Kohlenhydrate ist es leider noch nicht getan. Denn nun muss die erforderliche Insulindosis ermittelt werden. Hierfür multiplizieren Sie die Zahl der ermittelten KE mit Ihrem individuellen KE-Faktor, der sich aus Ihrer persönlichen Insulinempfindlichkeit ergibt. Achtung: Bei den meisten Menschen variiert die Insulinempfindlichkeit im Verlauf des Tages. Für das Frühstück gelten dann andere KE-Faktoren als für das Mittagessen oder das Abendbrot. Bei den meisten Menschen mit Diabetes ist der Insulinbedarf aufgrund der vermehrten Hormonausschüttung nach dem Aufwachen höher als im weiteren Tagesverlauf. Für das Frühstück muss dann also mehr Insulin verabreicht werden als für die weiteren Mahlzeiten des Tages. Hier ein paar Rechenbeispiele für einzelne Mahlzeiten:

  • Frühstück. Eine Scheibe Vollkornbrot mit Butter und Schinken, dazu 150 Gramm Joghurt mit einem halben Apfel. Das Frühstück enthält insgesamt etwa 50 Gramm Kohlenhydrate, also 5 KE. Bei einem KE-Faktor von beispielsweise 3 wären entsprechend 15 Einheiten Insulin zu verabreichen.
  • Mittagessen. Spaghetti Bolognese mit etwa 200 Gramm gekochten Nudeln. Die Nudeln enthalten knapp 60 Gramm Kohlenhydrate, also 6 KE. Bei einem KE-Faktor von beispielsweise 1,5 wären entsprechend 9 Einheiten Insulin zu verabreichen.
  • Abendessen. Ein gemischter Salat mit zwei Scheiben Baguette. Das Baguette wiegt etwa 40 Gramm und enthält damit gut 20 Gramm Kohlenhydrate, also 2 KE. Bei einem KE-Faktor von beispielsweise 2 wären entsprechend 4 Einheiten Insulin zu verabreichen.

Bitte beachten: Dies sind nur Beispiele, die den Rechenweg veranschaulichen sollen. Ihre eigenen KE-Faktoren können hiervor erheblich abweichen! Wenn Sie sich nicht sicher sind, welche KE-Faktoren Sie für die Insulinberechnung ansetzen müssen, besprechen Sie dies bitte unbedingt mit Ihrem Diabetesteam.

Bei aller Sorgfalt ist natürlich auch klar, dass es zu Fehlern beim Schätzen und Berechnen der Kohlenhydrate und damit auch bei der Insulindosierung kommen kann. Dies ist auch unter Wissenschaftlern kein Geheimnis, wie eine Sitzung beim diesjährigen Diabetestechnologie-Kongress ATTD5 zeigte. Dort berichtete Prof. Ram Weiss von der Hebrew University of Jerusalem: „Wenn Patienten im Alltag die Kohlenhydratmenge schätzen, dann verschätzen sie sich bei industriell gefertigten Lebensmitteln um bis zu 30 Prozent und bei selbst zubereiteten Mahlzeiten sogar um bis zu 50 Prozent.“ Gefragt sind deshalb Instrumente, die Menschen mit Diabetes im Alltag unterstützen, damit sie weniger selbst über diese Fragen nachdenken müssen.

Digitale Helfer, die Kohlenhydrate automatisch erkennen

Die Entwicklung derartiger zumeist digitaler Helfer beschäftigt eine ganze Startup-Industrie, wie der anschließende Vortrag von Michal Gillon-Keren auf dem ATTD zeigte. Die israelische Forscherin stellte diverse Wearables mit Sensoren vor, die beim Erkennen der Nahrungszusammensetzung helfen sollen:

  • Wearables mit Sensoren, die an der Hand getragen werden und aus den Bewegungsabläufen der Hand auf die Menge der zugeführten Nahrung schließen sollen: Wie oft wird die Hand zum Mund geführt? Bewegt die Hand einen Löffel oder eher ein Stück Obst, aus dem kräftig abgebissen wird? Ein schlauer Sensor kann dabei vermeintlich typische Muster erkennen und in eine App übertragen.
  • Die smarte Gabel verbirgt in ihrem Griff eingebaute Sensoren, die Feedback zum Essverhalten geben sollen. Das Konzept hat es zumindest über die Crowdfunding-Phase hinausgeschafft und ist mittlerweile kommerziell erhältlich6.
  • Akustische Hilfsmittel, die ähnlich wie ein Hörgerät am Brillenbügel getragen werden, Kau- und Schluckgeräusche aufzeichnen und aus diesen akustischen Signalen auf die Art der Nahrungszusammensetzung schließen.
  • Piezoelektrische Sensoren, die unterhalb des Kiefers getragen werden und mechanische Veränderungen beim Kauen und Schlucken in elektrische Signale umwandeln7. Allerdings muss der Anwender hierfür ein zirka zehn Zentimeter breites Halsband tragen, aus dem vorn ein Gewirr an bunten Kabeln sprießt, die dann zum signalverarbeitenden Empfangsgerät führen – möglicherweise ein Aufzug, der im Alltag mehr Fragen aufwirft als Antworten bietet.
Vorerst lieber auf die eigenen Schätz- und Rechenkünste vertrauen!

Auch die Referentin konnte sich angesichts dieser teilweise recht skurrilen Innovationen das Lachen nicht immer verkneifen: „Ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, dass Leute diese Sensoren im Alltag auch wirklich würden tragen wollen“, sagte Michal Gillon-Keren. Abgesehen davon sind die wenigsten sensorgestützten Alltagshelfer bereits technisch ausgereift und für eine breite Öffentlichkeit erhältlich. Deshalb führt derzeit wohl kein Weg daran vorbei: Menschen mit Diabetes müssen lernen, wie sich ihre Nahrung zusammensetzt, das Schätzen der entsprechenden Nährstoffmengen im Alltag trainieren und ihre mögliche Abneigung gegenüber Mathematik ein wenig überwinden.

1 https://www.diabetesde.org/broteinheiten-berechnet

2 z.B. bei fddb https://fddb.info oder Rezeptrechner-Online https://www.rezeptrechner-online.de/blog/kohlenhydrate-zaehlen-app-diabetes/

3 z.B. „Kalorien mundgerecht“, „Diabetes – Der Einkaufsberater von A-Z“ (GU-Verlag) oder „Ernährungslehre kompakt“ (Umschau Zeitschriftenverlag)

4 Hilfestellung zum Thema Dreisatz findet man online z. B. hier https://123mathe.de/dreisatz

5 Advanced Technologies and Treatments for Diabetes (ATTD) 2019, Sitzung „Nutrition and Food Technology“ am 21.2.2019 in Berlin https://cmoffice.kenes.com/cmsearchableprogrammeV15/conferencemanager/programme
/personid/anonymous/attd19/normal/b833d15f547f3cf698a5e922754684fa334885ed#!sessiondetails/0000062100_0

6 Siehe https://www.hapi.com/product/hapifork

7 Siehe https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0010482515000086

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