Übergewicht - Folgen für das Gehirn

Accu-Chek Services - Übergewicht

Neue Erkenntnisse aus der Hirnforschung zeigen, dass Hirnströme sich mit dem Gewicht ändern und können helfen, neue Behandlungsmethoden zu entwickeln.

Übergewicht beeinflusst die Gehirnfunktionen, diese ändern sich mit zunehmendem Gewicht. Dass sich die Hirnströme von übergewichtigen gegenüber normalgewichtigen Personen deutlich unterscheiden, konnte das interdisziplinäre Expertenteam unter Leitung von Dr. Hubert Preissl vom MEG Zentrum der Universität Tübingen feststellen. Unterschiede konnte das Forschungsteam auch bei der Hirnaktivität von Frauen und Männern feststellen, sobald sie Bilder von hochkalorischer Nahrung wahrnahmen: Frauen fällt es offensichtlich schwerer, "Nein" zu sagen.


Gewichtsregulation wird über Belohnungssystem im Gehirn maßgeblich beeinflusst.

"Die Erforschung von Prozessen im Gehirn übergewichtiger Personen wurde in der Vergangenheit stark vernachlässigt", sagt Preissl. "Die Gewichtsregulation erfolgt nicht nur rein über den Stoffwechsel, das Essverhalten wird auch durch das Genuss- und Belohnungssystem im Gehirn maßgeblich beeinflusst." Um die komplexe Erkrankung Adipositas besser zu verstehen, müsse man sich in Zukunft noch viel stärker mit dem Kopf der Patienten und nicht alleine mit dem Bauch auseinandersetzen. Zumal auch bekannt ist, dass Bauchorgane sehr viel mit dem Gehirn kommunizieren und Hunger sowie Sättigung über das zentrale Nervensystem reguliert werden.

Bildgebende Verfahren erlauben Einblick in Aktivität des Gehirns

Ziel der Forscher im Kompetenznetz Adipositas ist es, besser zu verstehen, wie das Gehirn Hunger- und Sättigungsgefühle reguliert, sich neuronale Prozesse von Übergewichtigen im Vergleich zu Normalgewichtigen unterscheiden und wie Therapeuten diese beeinflussen bzw. modulieren könnten. Dazu nutzen die Forscher bildgebende Verfahren wie die Magnetoenzephalographie (MEG) und funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT), die es erlauben, Vorgänge im menschlichen Gehirn mit hoher zeitlicher und räumlicher Auflösung darzustellen. Bei einem Vergleich der Aktivität in verschiedenen Hirnstrukturen fanden die Wissenschaftler, dass es sowohl Unterschiede zwischen dicken und dünnen Menschen gibt als auch zwischen Frauen und Männern ähnlicher Konstitution.

Insulin entfaltet geringere Wirkung im Gehirn übergewichtiger Personen

Neben dem Body Mass Index (BMI) hat der Insulinspiegel messbare Auswirkungen auf die Gehirnfunktionen. Das Forscherteam zeigte, dass ein erhöhter BMI die Hirnaktivität im frontalen Bereich erhöht. Dieses Areal ist unter anderem für die Verhaltenskontrolle wichtig und könnte erklären, warum es übergewichtigen Personen schwerer fällt, ihre Nahrungsaufnahme hinreichend zu kontrollieren. Zudem konnte auch gezeigt werden, dass das Hormon Insulin, das dem Körper signalisiert, wie viel Nahrung aufgenommen wurde, bei übergewichtigen Personen eine reduzierte Wirkung im Gehirn entfaltet.

Männer und Frauen reagieren unterschiedlich

Das Tübinger Team um Preissl zeigt außerdem, dass Frauen und Männer unterschiedlich auf Hunger und Sättigung reagierten. Die Hirnströme von Frauen veränderten sich im Vergleich zu Männern im Hungerzustand weitaus stärker, wenn diese Bilder hochkalorischer Nahrung anschauten. Dies ist ein weiterer Hinweis, dass es den Frauen schwerer fällt als den Männern, Hunger zu unterdrücken während ihnen Speisen vorgesetzt werden. Zudem konnte in einem weiteren Experiment mit knapp 70 Patienten gezeigt werden, dass adipöse Personen bei einem vergleichenden Gedächtnistest langsamer auf Reize reagierten und eine erhöhte Fehlerzahl aufwiesen als normalgewichtige Versuchspersonen. Die Erkenntnisse der Tübinger Forschergruppe können Hinweise darauf geben, wie Verhaltenstherapien effektiv gestaltet werden können.

Biofeedback als neuer Behandlungsansatz

Ein Ansatz für zukünftige Behandlungen von Übergewichtigen ist die Biofeedbackmethode. Hierbei sollen die Patienten lernen, ihre Hirnaktivität willentlich zu kontrollieren, indem sie die Aktivität bestimmter Gehirnbereiche in Form eines sich bewegenden Thermometers sehen und damit das eigene Verhalten in vorgegebenen Situationen verändern. Innovative Ansätze, um Gehirnprozesse zu modulieren, können in Zukunft helfen, das Problem Adipositas quasi vom Kopf her besser in den Griff zu bekommen.

Über das Kompetenznetz Adipositas

Das Kompetenznetz Adipositas verbindet bundesweit herausragende Experten im Bereich Adipositas. Im Netzwerk organisierte Verbünde erforschen Ursachen und Risikofaktoren für die Entstehung der Adipositas. Sie entwickeln und überprüfen neue Therapien sowie Präventionsstrategien. Das Kompetenznetz stellt fundierte und verständliche Informationen für Ärzte, Verbände, Medien und Betroffene bereit. Damit sorgt das Netzwerk für eine Vernetzung und Stärkung der Adipositasforschung in Deutschland, für einen verbesserten Wissenstransfer der medizinischen Forschung und am Ende für eine bessere Versorgung der Betroffenen. Weitere Informationen finden Sie unter www.kompetenznetz-adipositas.de.

Erfahren Sie mehr zum Thema Ernährung in unserer Accu-Chek Erlebniswelt.

Weitere Services:
Accu-Chek Aviva Nano Anwendertest Erlebniswelt - Ernährung Ernährungsrechner
Accu-Chek.de

Impressum

Rechtliche Hinweise

Datenschutzerklärung

Über Roche Diabetes Care

Diabetes Lexikon