Strukturierte Blutzuckermessung: gewusst wie!

Strukturierte Blutzuckermessung: gewusst wie!

Menschen mit Typ-2-Diabetes können ihre Lebenserwartung und Lebensqualität deutlich steigern, wenn sie ihren Blutzucker regelmäßig selbst kontrollieren. 2006 zeigte die ROSSO-Studie*, dass bei denjenigen Studienteilnehmern, die regelmäßige Blutzuckerselbstkontrollen durchführten, Herzinfarkte, Schlaganfälle, Amputationen, Erblindung oder die Notwendigkeit einer Dialysebehandlung seltener auftreten, und zwar unabhängig von der Art der Diabetestherapie1,2.

Doch "einfach mal so" den Blutzucker zu messen, ohne daraus eine Konsequenz für die Behandlung zu ziehen, hat wenig Sinn. Diabetes-Experten empfehlen, Blutzuckermessungen immer strukturiert durchzuführen. So können z.B. Stoffwechselschwankungen besser erkannt und vermieden werden. Letztlich hilft die Blutzuckerselbstmessung, angestrebte HbA1c-Ziele zu erreichen und zu halten. Wie man Blutzuckermessgeräte, Teststreifen und Stechhilfen richtig nutzt und Fehlerquellen verringert, ist am besten in einer Schulung zur jeweiligen Therapieform zu erlernen. Und: Nur wer darüber hinaus lernt, aus den gemessenen Werten auch die richtigen Schlüsse zu ziehen, kann eigenverantwortlich für eine gute Stoffwechseleinstellung sorgen3.

In einem neuen Leitfaden hat ein Expertenteam des Verbandes der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe (VDBD) in Deutschland Empfehlungen zur strukturierten Blutzuckerselbstmessung zusammengefasst. Denn: obwohl alle Menschen mit Typ-2-Diabetes von der Blutzuckerselbstmessung profitieren können, gibt es in Verbindung mit den unterschiedlichen Therapieformen zum Teil ganz unterschiedliche Empfehlungen zur Häufigkeit und zum Zeitpunkt der Messungen! Der Leitfaden gibt sowohl für Einstellungs- und Anpassungsphasen als auch für stabile Phasen Empfehlungen. In Einstellungsphasen, also direkt nach der Diagnosestellung, oder wenn ein neues Medikament verordnet wurde, sind in der Regel häufigere Tests sinnvoll3.

Die folgende Übersicht zeigt, wann und wie oft die Blutzuckerselbstmessung bei den unterschiedlichen Therapieformen sinnvollerweise empfohlen wird.

  • Typ-2-Diabetes ohne Insulinbehandlung: Für Menschen mit Typ-2-Diabetes ohne Insulinbehandlung empfehlen die VDBD-Experten, den Blutzucker an vier Zeitpunkten des Tages zu messen: Einmal morgens nüchtern und dann ca. 1,5 Stunden nach jeder Hauptmahlzeit. Während der Einstellungsphase auf ein neues Medikament sollte dieses Messschema einmal in der Woche angewendet werden; direkt nach der Diagnosestellung können zusätzlich auch Messungen vor den Hauptmahlzeiten sinnvoll sein. In stabilen Phasen genügt es, einmal in vier Wochen die Vier-Punkte-Messung durchzuführen.
  • Typ-2-Diabetes mit Basalinsulin: Ist zusätzlich zu den Tabletten eine Basal-Insulininjektion (meist zur Nacht) erforderlich, ist in der Einstellungs- und Anpassungsphase eine tägliche nüchterne Blutzuckermessung erforderlich. Einmal in der Woche wird zudem empfohlen, morgens und mittags jeweils nach dem Essen und spät abends zu messen. Sinnvoll können außerdem ergänzende Blutzuckermessungen vor dem Mittag- und Abendessen sein. Für die stabile Phase genügen alle vier Wochen vier tägliche Messungen.
  • Konventionelle oder Intensivierte Insulintherapie: Wer eine Insulintherapie anwendet, gleich ob konventionell oder intensiviert, profitiert von Blutzuckermessungen vor den Mahlzeiten. Die Häufigkeit richtet sich nach der jeweiligen Art der Insulintherapie und auch danach, ob eine Dosisanpassung erfolgt.

Der Leitfaden richtet sich in erster Linie an Fachkräfte, kann aber auch Menschen mit Diabetes wertvolle Informationen hinsichtlich des Umgangs mit der Blutzuckerselbstmessung geben. Der Leitfaden kann im Internet heruntergeladen werden.

* Retrolective Study Self-Monitoring of Blood Glucose and Outcome in Patients with Type 2 Diabetes

Quellen:

  1. Rosso-Studie zur Selbstmessung der Blutglukose http://www.diabetes-deutschland.de/archiv/4711.htm (Stand: 19.08.2014)
  2. Martin S et al, Self-monitoring of blood glucose in type 2 diabetes and long-term outcome: an epidemiological cohort study, Diabetologia. 2006 Feb; 49(2):271-8
  3. Leitfaden zur Blutzuckerselbstkontrolle – Hilfe bei Diabetes https://www.vdbd.de/Downloads/Blutzucker-Selbstkontrolle-Stand1142014.pdf (Stand: 19.8.2014)

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