Wer Proteine spart, entlastet den Zuckerstoffwechsel

Wer Proteine spart, entlastet den ZuckerstoffwechselBei Typ-2-Diabetes besser als eine
proteinreiche Ernährung: Getreide,
Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Gemüse,
Nüsse und Pilze.

Mehr Gemüse, weniger Fleisch und Milchprodukte? Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungs-
zentrums zufolge kann eine proteinarme Ernährung die Fett- und Kohlenhydrat-Verbrennung und damit den Energieverbrauch steigern. Sogar eine Insulinresistenz könne sich zurückbilden.

Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum konnten zeigen, dass eine proteinarme Diät bei Mäusen die Fett- und Kohlenhydrat-Verbrennung und damit den Energieverbrauch steigert. Nach der Umstellung auf die proteinreduzierte Diät bildeten sich sogar Insulinresistenzen zurück – unabhängig vom Köpergewicht und der Gesamtenergiezufuhr. Auch bei jungen Freiwilligen senkte eine kurzzeitige proteinarme Ernährung den Insulin- und Blutzuckerspiegel. Der Effekt wird durch eine zentrale Stress-Antwort der Leberzellen gesteuert.

Als Hauptursachen für den weltweiten Anstieg des Körpergewichts gelten veränderte Ernährungsgewohnheiten und mangelnde körperliche Aktivität. Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass noch weitere Faktoren den rasanten Gewichtsanstieg begünstigen. Sie haben vor allem die veränderte Zusammensetzung der Ernährung hinsichtlich Fett, Kohlenhydraten und Proteinen im Visier. So belegen epidemiologische Studien, dass ein hoher Proteinanteil in der Ernährung mit einer hohen Diabetes-Rate einhergeht.

Gesteigerter Energieverbrauch unter proteinarmer Diät

Um herauszufinden, wie sich eine proteinreduzierte Ernährung tatsächlich auf molekularer Ebene auswirkt, setzten die Forscher Mäuse auf proteinarme Diät (fünf Prozent der Gesamtkalorien gegenüber 20 Prozent im normalen Mäusefutter). Obwohl die Tiere insgesamt etwas mehr fraßen, nahmen sie langsamer an Gewicht zu als normal gefütterte Artgenossen.

Die Forscher ermittelten, dass die Tiere unter proteinarmer Diät ihr Futter um 40 Prozent weniger effizient verwerteten. Sie verbrannten mehr Fett und Kohlenhydrate und hatten daher einen gesteigerten Energieverbrauch. Die im Blut messbaren Stoffwechselwerte verbesserten sich erheblich: Die Tiere hatten niedrigere Insulin-, Cholesterin- und Blutfettspiegel, sogar zuvor bestehende Insulinresistenzen bildeten sich zurück. Dagegen stieg unter anderem die Konzentration des Proteins FGF21, des Fibroblasten-Wachstumsfaktors 21.

Besonders steil stieg der FGF21-Spiegel der Mäuse direkt nach einer proteinarmen „Mahlzeit“. Verursacht wurde das durch eine zentrale Stressreaktion in der Leber. Das proteinarme Futter wirkt offenbar als Stressfaktor, der sich jedoch gesundheitlich positiv auswirkt.

Insbesondere das Fehlen von „nicht-essenziellen“ Aminosäuren, die der Körper selbst herstellen kann, steigerte den FGF21-Spiegel und sorgte für die günstigen Effekte.

Verbesserter Zuckerstoffwechsel auch beim Menschen

Um festzustellen, ob die günstigen Effekte einer proteinarmen Diät auch beim Menschen zum Tragen kommen, baten Rose und Kollegen fünf junge Männer, sich sieben Tage lang freiwillig proteinarm zu ernähren: Im Anschluss stellten die Forscher bei den Teilnehmern hohe FGF21-Werte fest, dagegen niedrigere Blutzucker- und Insulinspiegel, trotz erhöhter Kohlenhydratzufuhr.

Die Forscher wollen nun weiter überprüfen, ob sich die positiven Stoffwechsel-Effekte der proteinarmen Ernährung, die sie bei Mäusen beobachtet hatten, auch beim Menschen auf molekularer Ebene bestätigen.

Fazit: Proteine sind unverzichtbare Bestandteile der täglichen Kost. Eine Überversorgung zum Beispiel durch hohen Konsum von Fleisch, Käse und Milchprodukten kann mit ungünstigen Auswirkungen auf den Stoffwechsel einhergehen. Zur Deckung des Bedarfs an Aminosäuren in der menschlichen Ernährung tragen auch Getreide, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Gemüse, Nüsse und Pilze zu einem nicht unerheblichen Anteil bei.

Quelle:

Proteinarme Ernährung verbessert Zuckerstoffwechsel (http://www.diabetologie-online.de/a/proteinarme-ernaehrung-verbessert-zuckerstoffwechsel-1784726) Stand: 18.04.2017

Originalstudie:

Adriano Maida, Annika Zota, Kim A. Sjøberg, Jonas Schumacher, Tjeerd P. Sijmonsma, Anja Pfenninger, Marie M. Christensen, Thomas Gantert, Jessica Fuhrmeister, Ulrike Rothermel, Dieter Schmoll, Mathias Heikenwälder, Juan L. Iovanna, Kerstin Stemmer, Bente Kiens, Stephan Herzig, Adam J. Rose: A liver stress-endocrine nexus promotes metabolic integrity upon dietary protein dilution.

Journal of Clinical Investigation 2016, DOI: 10.1172/JCI85946 (https://www.jci.org/articles/view/85946)

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