Frauen im Vorteil? Studie zu Geschlechterunterschieden bei Typ-2 Diabetes

Frauen im Vorteil? Studie zu Geschlechterunterschieden bei Typ-2 DiabetesGibt es Vorteile für Frauen bei der
Therapie von Typ-2-Diabetes?

Frauen und Männer sprechen unterschiedlich auf die jeweilige Behandlung von Typ-2-Diabetes an. Zu diesem neuen Ergebnis kommt eine groß angelegte Studie, die an über hundert deutschen Diabeteszentren durchgeführt wurde.1,2

9.108 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der deutschlandweiten Studie erhielten über einen Zeitraum von durchschnittlich acht Monaten verschiedene Medikamente zur Diabetesbehandlung. Einem Teil der Patienten empfahlen die Studienleiter eine Lebensstiländerung - allein oder in Kombination zur medikamentösen Therapie. Das Ergebnis:

  • Frauen mit Typ-2-Diabetes können ihr Gewicht mit entsprechender Lebensstiländerung oder medikamentöser Behandlung deutlicher reduzieren als Männer.
  • Bei Männern sinkt dagegen der Langzeitblutzuckerwert deutlicher als bei Frauen.
  • Allerdings besteht bei Frauen mit Typ-2 Diabetes ein erhöhtes Risiko, an Herz-Kreislauf-Störungen zu erkranken

Risikobestimmung dank neuer Indikatoren

Bei einem internationalen Kongress zur Geschlechterforschung in der Medizin wurden im September drei Biomarker thematisiert, mit deren Hilfe das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung von Frauen bestimmt werden kann. Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen zu den häufigsten Folgeschäden bei Diabetes – umso wichtiger ist daher eine möglichst genaue Diagnose und Therapie.

Was sind eigentlich Biomarker?

Biomarker sind bestimmte Indikatoren, mit deren Hilfe die Diagnose einer Krankheit möglich wird. Ein Beispiel ist die Bestimmung von Glukose im Urin oder die Bestimmung des Hba1c-Werts als Biomarker zur Diagnose von Diabetes.

Als besonders aussagekräftig erwies sich hierbei der Biomarker "Proneurotensin" zur Prognose von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Adipositas. Frauen mit einem stark erhöhten Proneurotensin-Wert (d.h. mehr als 180 pmol/L) hatten ein etwa doppelt so hohes Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Störung zu erkranken und zu sterben als Frauen mit einem niedrigen Wert (weniger als 120 pmol/L). Die bisher vorliegenden Studien belegen das:

Von 100 Frauen mit ...

  • ... einem hohen Wert entwickelten 13 eine Herzerkrankung.
  • ... einem mittleren Wert verringerte sich die Anzahl der Erkrankungen auf 10.
  • ... einem niedrigen Wert erkrankten nur 7 Frauen an Herz-Kreislauf-Störungen.

Was ist Neurotensin?

Neurotensin ist ein körpereigener Botenstoff und reguliert die Speicherung von Fettdepots. Die Menge von Neurotensin im Blut gibt Aufschluss darüber, inwiefern der Körper zur Aufnahme und Verwertung von gesättigten Fettsäuren in der Lage ist. Eine aktuelle Ernährungsstudie belegt, dass mithilfe einer bestimmten Diät und der Senkung des Body-Mass-Index der Proneurotensin-Spiegel im Blut gesenkt werden kann.

Einen Bluttest, der die Konzentration von Proneurotensin bestimmt, gibt es bereits. "Damit dieser Test gängige Praxis werden kann, braucht es die Akzeptanz der Krankenkassen", erläutert die niedergelassene Kardiologin Dr. Natascha Hess.4

Zusammenhang zwischen Cholesterin und Glukosestoffwechsel

Professor Susanna Hofmann ist mit ihrer Arbeitsgruppe "Women and Diabetes" am Helmholtz Zentrum München in ein weiteres Forschungsprojekt eingebunden, das die Geschlechtsspezifik der Volkskrankheit Diabetes mellitus näher untersucht.5 Es geht dabei um die positive Wirkung von HDL-Cholesterin, landläufig das "gute Cholesterin". Basierend auf ihrer Entdeckung, dass HDL den Glukosestoffwechsel im Muskel entscheidend beeinflusst, untersucht Prof. Hofmann diese positive Wirkung von HDL beim Metabolischem Syndrom und Typ-2-Diabetes. Da Frauen mit Typ-2 Diabetes ein besonders hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, stehen die Wechselwirkungen von Cholesterin und Glukosestoffwechsel im Zentrum dieser Forschung.

"Mit Gender- und personalisierter Medizin eröffnen sich viele neue Optionen und Behandlungsstrategien", betont Professor Susanna Hofmann. "Wir haben hier noch viel zu erwarten."

Quellen
  1. Therapie des Diabetes Typ 2 : Mann und Frau reagieren unterschiedlich (http://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/aktuelles/nachrichten/nachrichten-aus-der-diabetesforschung/news/article/27761/index.html) (Fundstelle: http://www.diabetologie-online.de/a/1735923, Stand 18.11.2015)
  2. Schütt, M. et al.: Gender-specific Effects of Treatment with Lifestyle, Metformin or Sulfonylurea on Glycemic Control and Body Weight: A German Multicenter Analysis on 9 108 Patients. In: Exp Clin Endocrinol Diabetes 2015, Aug 18. [Epub ahead of print]
  3. San Diego: Individuelles Krankheitsrisiko kann mit neuen Biomarkern bestimmt und minimiert werden (http://www.gendermed.info/Prof-Maisel-San-Diego-Individuelles.1521.0.2.html, Stand 18.11.2015)
  4. Internationaler Kongress für Geschlechterforschung in der Medizin, Berlin, 22.bis 23. September 2015, (Pressemappe, S. 5) (http://www.gendermed.info/downloads/1/Pressemappe-versand-k.pdf, Stand 18.11.2015)
  5. Neue Sicht auf Stoffwechselerkrankungen
    (http://www.gendermed.info/Neue-Sicht-auf-Stoffwechselerkrankungen.1520.0.2.html, Stand 18.11.2015)
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