Der HbA1c-Wert auf dem Prüfstand

Der HbA1c-Wert auf dem PrüfstandDer HbA1c-Wert ist ein Mittelwert und
besitzt alle Vor- und Nachteile
seiner Gattung: Kurzfristige
hohe Blutzuckerspitzen und Werte
kurz vor einer Hypoglykämie können
trotz gutem HbA1c-Wert vorkommen.

Der HbA1c-Wert gilt als Goldstandard für die Beurteilung der Diabeteseinstellung. Doch die Aussagekraft dieses Blutwertes weist einige Einschränkungen auf. So können zum Beispiel Eisenmangel, Medikamente oder bestimmte Erkrankungen zu falschen Messwerten führen.

Seit mehr als 30 Jahren bestimmen Ärzte den HbA1c-Wert, um die Güte der Diabeteseinstellung ihrer Patienten festzustellen. Mit dem HbA1c-Wert erhält man einen Blutzucker-Mittelwert der letzten zwei bis drei Monate. Er gibt die Stoffmenge des Hämoglobins (roter Blutfarbstoff) an, die mit Glukose (Traubenzucker) verbunden ist. Je höher die durchschnittliche Glukosekonzentration im Blut, desto höher der HbA1c-Wert.

Grenzen der Aussagekraft

Der HbA1c-Wert besitzt alle Vor- und Nachteile seiner Gattung. Der Vorteil - Kontrolle des Blutzuckerspiegels über einen längeren Zeitraum - liegt auf der Hand. Der Nachteil: Extreme Ausreißer der kurzfristigen Werte werden nicht abgebildet. Also bedeutet ein guter HbA1c-Wert leider nicht automatisch, dass Sie Ihren Diabetes wirklich im Griff haben: Kurzfristige hohe Blutzuckerspitzen (circa unter vier Stunden) und Werte kurz vor einer Hypoglykämie können trotz gutem HbA1c-Wert vorhanden sein.

Zudem scheint die Wechselbeziehung zwischen den durchschnittlichen Glukosewerten und den HbA1c-Werten gewissen Einschränkungen zu unterliegen. Darüber berichtete Irl B. Hirsch von der University of Washington School of Medicine in Seattle (Washington, USA) beim Kongress der Europäischen Diabetes Gesellschaft im September 2016*. In einer Studie waren kontinuierliche Gewebsglukosemessungen bei Menschen mit Typ-1-, Typ-2- und auch ohne Diabetes durchgeführt worden. „Die Werte zeigen, dass jemand ein HbA1c von 7 % und eine durchschnittliche Glukose von 180 mg/dl haben kann und jemand anderes ein HbA1c von 8 % und eine durchschnittliche Glukose von 150 mg/dl. Die Person mit dem HbA1c von 7 % hat also eine höhere mittlere Glukose als derjenige mit dem HbA1c von 8 %.“ Demnach können die HbA1c-Werte nicht herangezogen werden, um die Diabeteseinstellung von zwei Personen mit Diabetes miteinander zu vergleichen. Geht es allerdings um zwei HbA1c-Werte eines Patienten, zeigen diese schon an, ob der Wert gesunken oder gestiegen ist. [1]

Andere Einflussfaktoren

Es gibt auch noch andere Faktoren die den HbA1c-Wert beeinflussen können. So kann zum Beispiel ein Eisenmangel die Ursache für fälschlicherweise erhöhte HbA1c-Werte sein. Wird der Eisenmangel behandelt, sinkt auch der HbA1c. In einer Studie bekamen Patienten mit Typ-1-Diabetes und einer Anämie, aber auch Teilnehmer ohne Diabetes mit Anämie eine Eisentherapie. Ohne die Glukosesituation zu ändern, sanken unter der Eisengabe die HbA1c-Werte, bei Menschen mit Diabetes von durchschnittlich 10,6 % auf 8,3 %, bei den Nichtdiabetikern von 7,7 % auf 6,4 %, berichtete Hirsch.[1]

Hat ein Patient eine Bluterkrankung, bei der die roten Blutkörperchen nicht so lange leben wie normal, kann man den HbA1c-Wert als Routineparameter für die Einstellung des Blutzuckers nicht verwenden: Die Werte werden dann falsch zu niedrig gemessen. Dies ist auch der Fall, wenn jemand zu hohe Dosen Vitamin C und E zu sich nimmt. Die Messergebnisse sind auch dann falsch, wenn der Körper durch bestimmte Erkrankungen fehlerhaftes Hämoglobin produziert – denn das kann man durch die Messverfahren nicht aufspüren. Auch bei Medikamenten- oder Alkoholmissbrauch und bei Nierenversagen wird aufgrund technischer Probleme der HbA1c-Wert falsch bestimmt und kann keine Orientierung in der Diabetesbehandlung bieten. [2]

Werden die HbA1c-Werte nicht Glukosemessungen gegenübergestellt, so kann dies gefährlich sein, wenn es um Änderungen der Therapie geht. Dies gilt insbesondere bei der Umstellung auf eine Insulintherapie. In Bezug auf die Therapie von Menschen mit Typ-2-Diabetes meint Hirsch: „Meiner Ansicht nach ist Diabetes eine Krankheit mit Dysglykämie (Anm. d. Red.: Störung des Glukosestoffwechsels), deren Therapie auf Glukosewerten basieren sollte und nicht auf einem Biomarker mit so vielen Limitationen.“[1]

* European Association for the Study of Diabetes (EASD)

Quellen:
  1. Mogelpackung HbA1c? von Katrin Kraatz, Diabetes-Congress-Report, 2016; 16 (5) Seite 34-36 (http://www.diabetologie-online.de/a/1796216) Stand: 21.12.2016
  2. Basiswissen Diabetes: Der HbA1c-Wert (http://www.diabetes-online.de/a/1683568) Stand: 21.12.2016
Accu-Chek.de

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