Heilung von Typ-1 Diabetes: drei Ansätze

Heilung von Typ-1 Diabetes: drei AnsätzeNeue Forschungsansätze im Hinblick
auf Heilung von Typ-1-Diabetes

Für Menschen mit Typ-1-Diabetes steht die Aussicht auf eine Heilung von der chronischen Erkrankung sicher ganz oben auf der Wunschliste. Immer wieder veröffentlichen Forscher neue und bahnbrechende Ergebnisse, die jeweils den nächsten Schritt auf dem Weg zum Ersatz der zerstörten Betazellen darstellen könnten. Hier finden Sie drei aktuelle Ansätze.

Wie können die Betazellen der Bauchspeicheldrüse vor den Attacken des eigenen Immunsystems geschützt werden? Und könnten zerstörte insulinbildende Zellen vielleicht sogar eines Tages ersetzt werden? Es gibt zurzeit eine ganze Reihe von Forschungsansätzen, die die Hoffnung nähren, dass Typ-1-Diabetes eines Tages verhindert oder sogar geheilt werden kann.

Der Erhalt der verbliebenen, funktionstüchtigen Betazellen ist für die bessere Einstellung des Diabetes und die Vermeidung von langfristigen Komplikationen von beträchtlicher Bedeutung. Dieses Ziel verfolgt die DIABIL-2 Studie, ein Therapieversuch, der eine Behandlung mit niedrig dosiertem Interleukin-2 bei Typ-1 Diabetikern kurz nach der Diagnose bewertet (1). Der natürliche Botenstoff Interleukin 2 kann in sehr niedriger Dosierung T-Zellen des Immunsystems gezielt anregen, die schützende und regulierende Eigenschaften haben, und so das Gleichgewicht des Immunsystems wiederherstellen. Bei der Therapie von anderen Autoimmunerkrankungen und in der Krebstherapie wird Interleukin-2 bereits erfolgreich angewendet.

Kann niedrig-dosiertes Interleukin-2 die Zerstörung der verbliebenen, funktionstüchtigen Betazellen kurz nach der Diagnose Typ-1-Diabetes verhindern und deren Funktionsfähigkeit erhalten? Dies wäre für die bessere Einstellung des Diabetes und die Vermeidung von langfristigen Komplikationen von beträchtlicher Bedeutung. Deshalb überprüft das Institut für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München, in Zusammenarbeit mit der Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München und dem Universitätsklinikum Assistance Publique – Hôpitaux de Paris diese Frage in der DIABIL-2 Studie. Die Studie richtet sich an Kinder ab zwölf Jahren und Erwachsene mit Typ-1-Diabetes, deren Insulintherapie vor weniger als zwei Monaten aufgenommen wurde.

Aus Nierenzellen werden insulinproduzierende Betazellen

Eine biotechnologische Lösung zur Therapie von Diabetes haben Forschende der ETH Zürich kürzlich präsentiert: Ihnen ist es gelungen, aus menschlichen Nierenzellen künstliche Betazellen herzustellen, die alles können, was natürliche Beta-Zellen aus der Bauchspeicheldrüse leisten: Sie messen die Glukosekonzentration im Blut und sie bilden genügend Insulin, um den Blutzuckerspiegel wirkungsvoll zu senken. (2)

Die Wissenschaftler testeten die künstlichen Betazellen vorerst in Mäusen. Dabei entpuppten sich die Zellen nach Angeben der Forscher als äußerst leistungsfähig und produzierten während drei Wochen zuverlässig und in ausreichenden Mengen die Blutzuckerspiegel regulierenden Botenstoffe.

Wann die künstlichen Betazellen auf den Markt kommen, ist allerdings ungewiss. Sie müssen erst verschiedene klinische Tests durchlaufen, ehe sie im Menschen verwendet werden könnten. Solche Tests sind aufwendig und dauern oft mehrere Jahre. "Meistern unsere Zellen alle Hürden, könnten sie in 10 Jahren auf den Markt kommen", schätzen die ETH-Forscher.

Umprogrammierte Leberzellen

Ein Forschungsteam vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) hat Leberzellen von Mäusen durch die Aktivierung eines einzigen Gens zu Vorläuferzellen der Bauchspeicheldrüse umprogrammiert. (3)

Den Forschern ist es gelungen, Leberzellen zuerst in ein weniger spezialisiertes Entwicklungsstadium zu verwandeln und danach diese Zellen schrittweise zu Zellen mit Eigenschaften der Bauchspeicheldrüse umzuerziehen. Dies gelang mit Hilfe des Gens TGIF2, das im Gewebe der Bauchspeicheldrüse aktiv ist, nicht aber in der Leber. Nachdem die Forschenden die modifizierten Zellen in Mäuse mit Diabetes transplantierten, verbesserte sich der Blutzuckerspiegel der Mäuse dauerhaft. Nun soll die Therapie an menschlichen Leberzellen erprobt werden – doch dazu müssen noch die Unterschiede zwischen Mensch und Maus überwunden werden.

Forscher der Linköping Universität, Schweden stellten vor kurzem eine neue Form der Immuntherapie vor, wie das Ärzteblatt berichtet: Ihnen gelang es mittels mehrmaliger Injektion des Autoantigens GAD65 in einen Lymphknoten der Leiste in Kombination mit einer Vitamin-D-Behandlung bei mehreren Patienten mit neu diagnostiziertem Typ-1-Diabetes die Restproduktion von Insulin in den Beta-Zellen über mindestens 15 Monate zu erhalten. (4)

Ob und wann jedoch aus neuen Entdeckungen und Forschungsansätzen letztlich wirksame Therapien entwickelt werden, können selbst die Wissenschaftler erst im Nachhinein feststellen. Bis dahin bleibt den Forschern nur, am Ball zu bleiben und vielversprechende Ansätze konsequent weiterzuverfolgen.

Quellen:
  1. Hoffnung für Typ-1-Diabetiker kurz nach der Diagnose? ((http://www.diabetologie-online.de/a/hoffnung-fuer-typ-diabetiker-kurz-nach-der-diagnose-1798415; Stand 22.02.2017))
  2. Aus Nierenzellen werden insulinproduzierende Betazellen ((http://www.diabetologie-online.de/a/aus-nierenzellen-werden-insulinproduzierende-betazellen-1802260; Stand 22.02.2017))
  3. Leberzellen in der Identitätskrise könnten Diabetikern helfen ((http://www.diabetologie-online.de/a/leberzellen-in-der-identitaetskrise-koennten-diabetikern-helfen-1809118; Stand 22.02.2017))
  4. Typ 1-Diabetes: Injektion in den Lymphknoten könnte Insulinproduktion erhalten ((https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/73188/Typ-1-Diabetes-Injektion-in-den-Lymphknoten-koennte-Insulinproduktion-erhalten; Stand 22.02.2017))
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