Studie: Neue Methode sagt Risiko für Unterzuckerungen vorher

Studie: Neue Methode sagt Risiko für Unterzuckerungen vorherGenauer als Wetterfrösche:
Sechs Faktoren für die Vorhersage
von Unterzuckerungen.

Schwere Unterzuckerungen können mit ernsthaften Folgen verbunden sein, wie Stürzen, Verkehrsunfällen, Herzattacken, Bewusstlosigkeit oder gar Tod. US-Forscher haben nun eine Methode entwickelt, mit der sie anhand sechs einfacher Faktoren das Risiko von Menschen mit Typ-2-Diabetes für schwere Unterzuckerungen ermitteln können. Dadurch können Therapeuten vorbeugend Maßnahmen ergreifen, um bei besonders hohem Risiko speziell zu unterstützen.

Sechs Faktoren zeigen Risiko auf

In der Studie „Development and Validation of a Tool to Identify Patients With Type 2 Diabetes at High Risk of Hypoglycemia-Related Emergency Department or Hospital Use“ stellten die Wissenschaftler eines US-amerikanischen Krankenversicherungsunternehmens kürzlich die neue Methode vor.

Die sechs Faktoren
  • Anzahl vorhergegangener Notfallbehandlung aufgrund von Unterzuckerungen
  • Gebrauch von Insulin
  • Gebrauch von Sulfonylharnstoffen (orale Antidiabetika)
  • Vorliegen einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung
  • Anzahl von Notfallbehandlungen aus unterschiedlichen Gründen im vergangenen Jahr
  • Alter

Ausgehend von 156 möglichen Risikofaktoren, die zu einem starken Abfallen des Blutzuckerspiegels führen können, trugen die Forscher Gesundheitsdaten von über 200.000 Menschen mit Typ-2-Diabetes zusammen. Mithilfe eines speziellen Analyseverfahrens entwickelten sie ein Modell basierend auf sechs simplen Faktoren. Dieses kann das 12-Monats-Risiko für eine ambulante oder stationäre Behandlung vorhersagen, die aus einer schweren Unterzuckerung resultiert.

Daraus leiteten die Forscher eine praxisfähige Methode ab, mit der das Risiko für eine Notfallbehandlung bei Menschen mit Typ-2-Diabetes in drei Kategorien eingeordnet werden kann: „hohes Risiko“ (über 5 Prozent), „mittleres Risiko“ (1 bis 5 Prozent) und „niedriges Risiko“ (weniger als 1 Prozent).

Unterzuckerungen oft vermeidbar

Die Wissenschaftler stellten fest, dass in den USA mittlerweile häufiger Notfälle aufgrund schwerer Unterzuckerungen auftreten als aufgrund akuter Hyperglykämien. Schätzungen gehen von rund 100.000 Fällen pro Jahr aus, bei denen sich Menschen mit Typ-2-Diabetes wegen einer schweren Hypoglykämie einer Notfallbehandlung unterziehen müssen. Das betrifft vor allem ältere Patienten sowie solche mit einer langen Erkrankungsdauer.

Dabei seien Unterzuckerungen oftmals vermeidbar, betonen die Forscher. Sie sind davon überzeugt, dass die neue Methode dabei helfen wird, die Aufmerksamkeit von Behandlern auf diejenigen Patienten zu fokussieren, die sie am meisten benötigen.

Anwendung in der Praxis

Anhand der Versicherungsdaten von über 1,3 Mio. Menschen mit Typ-2-Diabetes wurde diese Methode inzwischen erfolgreich auf ihre Korrektheit überprüft. In der Praxis kann sie eingesetzt werden, um besonders gefährdete Patienten speziell dabei zu unterstützen, schwere Unterzuckerungen zu vermeiden. Dies kann z.B. durch Therapieanpassungen, weiterführende Schulungen sowie die Verschreibung von Glukagon-Kits geschehen. In einem nächsten Schritt sollen verschiedene Möglichkeiten der Praxisanwendung geprüft werden.

Menschen mit Diabetes können selbst z.B. durch engmaschige Blutzuckerkontrollen dazu beitragen, schwere Hypoglykämien zu vermeiden. Sie sollten ihre Werte vor allem bei körperlicher Betätigung im Auge behalten, da Bewegung den Blutzuckerspiegel senkt. Schnell wirkende Kohlenhydrate, wie Fruchtsaft, sollten immer dabei sein, um einem Absinken des Blutzuckerspiegels schnell entgegenwirken zu können. Ist die erste Gefahr gebannt, empfiehlt es sich, zu lang wirkenden Kohlenhydraten wie z. B. Vollkornbrot zu greifen, um die Werte zu stabilisieren. So können Menschen mit Diabetes Unterzuckerungen vorbeugen und mehr Zeit im Zielbereich erreichen.

Quellen:
  • Karter et al. (2017): Development and Validation of a Tool to Identify Patients With Type 2 Diabetes at High Risk of Hypoglycemia-Related Emergency Department or Hospital Use; http://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2649265 http://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/article-abstract/2649265 (Letzter Zugriff: 13.09.2017).
  • Neue Methode identifiziert Patienten mit hohem Unterzuckerungsrisiko, diabetes-online
  • http://www.diabetes-online.de/a/typ-diabetes-neue-methode-identifiziert-patienten-mit-hohem-unterzuckerungsrisiko-1838781 (Letzter Zugriff: 12.09.2017).
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