Dickmacher Insulin?

Dickmacher Insulin?Insulintherapie: Falls überhaupt
Gewicht zugelegt wird, spielen
mehrere Faktoren eine Rolle.

Wenn eine gute Blutzuckereinstellung nicht mehr alleine über Ernährungsmaßnahmen und blutzuckersenkende Tabletten erreicht werden kann, bietet Insulin eine zusätzliche Möglichkeit zur Blutzuckersenkung. Steht nicht genügend wirksames körpereigenes Insulin zur Verfügung oder wirkt nicht mehr richtig, muss das blutzuckersenkende Hormon von außen per Injektion zugeführt werden. Viele Menschen fürchten neben Unterzuckerungen und dem Gefühl „jetzt immer spritzen zu müssen“ das Insulin als einen Dickmacher. Einige nehmen sogar eine über Jahre hinweg schlechte Stoffwechseleinstellung in Kauf, um das Spritzen zu vermeiden – mit allen damit verbundenen Nachteilen und Risiken. In der Tat berichten Menschen nach Beginn einer Insulintherapie über Gewichtszunahmen von durchschnittlich 2 bis 4 Kilogramm. Doch ist es das Insulin, das für diese Gewichtszunahme allein verantwortlich ist?

Insulin – ein aufbauendes Hormon

Insulin ist ein wichtiges Aufbau- und Speicherhormon. Im Körper regt es die Neubildung von Eiweißstoffen (Proteinen) an, und fördert die Bildung von Speicherzucker (Glykogen) und Speicherfetten (Triglyzeriden) aus überschüssigen Nahrungskalorien. Aufgrund dieser aufbauenden (=anabolen) Wirkung kann es in einer hohen Dosierung und in Verbindung mit einer Überfütterung auch in der Tiermast oder zum Doping von Kraftsportlern missbraucht werden. Insulin alleine kann jedoch keine Gewichtszunahme bewirken. Hierfür ist ein Übermaß an Kilokalorien in Form von Fetten, Eiweiß und Kohlenhydraten verantwortlich.

Kommt es zu einer Gewichtszunahme, spielen mehrere Faktoren eine Rolle:

  • Eine Normalisierung des Wasserhaushaltes bei besserer Stoffwechsellage: Ist der Blutzucker zu hoch, verliert der Körper durch häufiges Wasserlassen viel Flüssigkeit. Wird dieses Defizit unter einer Insulintherapie wieder ausgeglichen, steigt das Körpergewicht.
  • Eine bessere Stoffwechsellage spart Kalorien: Sobald die Blutzuckerwerte die so genannte "Nierenschwelle" von etwa 180 mg/dl (10 mmol/l) überschreiten, wird Glukose über den Urin ausgeschieden. Das kann zu einem erheblichen Verlust von Kalorien über die Niere führen. Wenn mit Insulin eine bessere Blutzuckerstoffwechsellage erreicht wird, stehen die zuvor ausgeschiedenen Kohlenhydrate dem Körper zur Verfügung. Jetzt heißt es, Kalorien zu sparen – sonst nimmt man unweigerlich zu.
  • Vermehrte Kalorienzufuhr, um Unterzuckerungen zu vermeiden: Wer zu viel Insulin spritzt, kann in eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) rutschen. Oft reagieren Betroffene unbewusst auf die leicht erniedrigten Blutzuckerwerte, indem sie häufiger und mehr essen als nötig. Gleichzeitig führen sie jedoch mehr Kalorien zu als nötig, eine Gewichtszunahme kann die Folge sein.
  • Mehr Appetit durch leichte Unterzuckerungen: Leichte Unterzuckerungen können aber auch direkt den Appetit steigern. Dies zeigen auch neuere Untersuchungen, die belegen, dass auch bei Patienten mit einer neu begonnenen Insulinbehandlung eine überhöhte Kalorienzufuhr der Hauptfaktor für ein zunehmendes Körpergewicht ist.
Von Beginn an: Gewicht im Auge behalten

Wichtig ist daher, schon zu Beginn einer Insulinbehandlung die möglichen Auswirkungen auf das Gewicht im Auge zu behalten, die Kalorienzufuhr leicht zu reduzieren und sich am besten regelmäßig körperlich zu betätigen. Dadurch kann auch die Insulindosis möglichst niedrig gehalten werden, was ebenfalls dabei hilft, das Gewicht konstant zu halten. Auch eine Schulung oder eine fachliche Ernährungsberatung kann dabei helfen, die Umstellung auf die neue Therapieform besser zu meistern.

Auch die Form der Insulintherapie kann die Gewichtsentwicklung beeinflussen: Welche Art der Insulintherapie im Einzelfall die jeweils beste ist, entscheiden Menschen mit Diabetes in jedem Fall gemeinsam mit ihrem behandelnden Arzt.

Quelle: Immer wieder diskutiert: Insulin kein Dickmacher!, M.M. Weber, Diabetes-Journal, 2014; 63 (1) Seite 29-33 ((http://www.diabetes-online.de/a/1623161, Stand: 17.06.2015))

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