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Kartoffeln

Kartoffeln vom Vortag: Gut für Blutzucker und Figur?

Eigentlich hat die Kartoffel hinsichtlich Diabetes nicht den besten Ruf: Ebenso wie Nudeln oder Reis liefert sie reichlich Kohlenhydrate. Das lässt nach dem Essen den Blutzucker rasch ansteigen, denn bei der Verdauung wird die in der Kartoffel enthaltene Stärke in einzelne Glukosemoleküle zerlegt und gelangen anschließend ins Blut.

Kartoffeln und resistente Stärken

Dabei sind Kartoffeln besser als ihr Ruf, denn sie können auch sogenannte resistente Stärken enthalten. Diese verhalten sich ähnlich wie Ballaststoffe: Sie können im Dünndarm nicht verdaut werden, und gelangen deshalb in den Dickdarm, wo sie der Darmflora als Nahrung dienen. Neben einem positiven Effekt auf die Darmbakterien liefern sie also kaum Energie und erhöhen den Blutzucker nicht. Nennenswerte Mengen, d.h. 2-8 Gramm je 100 Gramm Lebensmittel enthalten z. B. Bratkartoffeln, Hülsenfrüchte oder Cornflakes1. Natürlicherweise kommen resistente Stärken auch in Hafer oder grünen Bananen vor. Und: Sie entstehen auch beim Abkühlen von z.B. gekochten Kartoffeln oder Nudeln.

Eine Studie der University of Surrey in England2 untersuchte nun den Einfluss von resistenter Stärke auf den Stoffwechsel von Menschen mit Typ-2-Diabetes. Dazu verzehrten 17 Menschen mit Typ-2-Diabetes 12 Wochen lang täglich 40 Gramm resistente Stärke. Die Studie konnte zeigen, dass der Verzehr einer größeren Menge resistenter Stärke bei den Studienteilnehmern zu einem signifikant niedrigeren Blutzuckeranstieg nach der Mahlzeit führte und mit höheren Konzentrationen des Proteins GLP-1 (Glucagon-like Peptide) einherging, das eine wichtige Rolle im Zuckerstoffwechsel spielt.

GLP-1 bremst hohe Blutzuckerwerte, indem es die Produktion von Insulin in den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse anregt. Zugleich bremst es den Insulin-Gegenspieler Glucagon, der Traubenzucker aus der Leber freisetzt. Außerdem verzögert GLP-1 die Entleerung des Mageninhaltes in den Darm, stimuliert das Sättigungsgefühl und drosselt auf diesem Wege die Nahrungsaufnahme.

Zum Vergleich: Ein Europäer nimmt mit der landesüblichen Kost im Durchschnitt nur rund 4 Gramm resistente Stärke pro Tag auf, in Indien und China dagegen werden pro Kopf durchschnittlich 10 bzw. 18 Gramm verzehrt. Der Anteil resistenter Stärke in der Nahrung ist umso geringer, je stärker Lebensmittel verarbeitet sind und je weniger rohes Obst und Gemüse verzehrt werden3.

Ob das Wiedererwärmen der Kartoffeln vom Vortag allein sehr deutliche Effekte auf den Blutzucker hat, ist nicht hundertprozentig klar. Doch vielleicht geht auch hier Probieren über Studieren?

Quelle

1http://www.reformhaus-fachlexikon.de/lebensmittelinhalte/resistente_staerke.php
(Stand: 14.11.2014)

2 Efficacy of increased resistant starch feeding in human type 2 diabetes
https://ec.bioscientifica.com/view/journals/ec/3/2/75.xml (Stand: Juni 2014)

3 Resistente Stärke als funktioneller Bestandteil von Lebensmitteln,
Ernährungsumschau (50) 2003, S. 65
http://www.ernaehrungs-umschau.de/media/pdf/EU_02_65_67.pdf (Stand: 14.11.2003)

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