Sorry, you need to enable JavaScript to visit this website.
Gestresster Mann im Büro

Stress im Beruf: Höheres Risiko für Typ-2-Diabetes

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Stress und Diabetes? Das wird seit längerem diskutiert. Jetzt fand eine internationale Übersichtstudie mit knapp 125.000 Erwachsenen1 heraus: Wer einen stressigen Job hat und gleichzeitig nur geringe Entscheidungsspielräume, für den ist das Risiko, an Diabetes mellitus Typ-2 zu erkranken erhöht – ganz gleich, welchen Lebensstil er pflegt.

Die Arbeitsbelastung der Teilnehmer und Teilnehmerinnen wurde anhand von Fragebögen erfasst. Während der 10 Jahre Beobachtungsdauer erkrankten 3.703 Personen an Diabetes. Wer psychisch belastende Arbeitssituationen hatte, bei dem war das Risiko, Diabetes zu bekommen, um rund 15 Prozent erhöht. Faktoren wie Alter, Geschlecht und sozio-ökonomische Faktoren wie Bildung oder Einkommen wurden von den Forschern aus den Ergebnissen herausgerechnet. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass eine psychisch belastende Arbeitssituation, unabhängig von Lebensstilfaktoren, einen Risikofaktor für Typ-2-Diabetes darstellt.

Sinnvolle Tätigkeit - ein Schutzfaktor?

Dass nicht nur hohe Anforderungen allein für ein höheres Erkrankungsrisiko bedeutsam sind, zeigte eine weitere Studie2 mit mehr als 5.000 Männern und Frauen zwischen 35 und 56 Jahren. Demnach scheint auch der Faktor "Kontrolle" über die beruflichen Abläufe bedeutsam zu sein.

Zu Beginn der Studie hatten alle Untersuchten gesunde Blutzuckerwerte. Bei der Folgeuntersuchung nach 8 bis 10 Jahren hatte sich bei 60 Frauen und 111 Männern ein Typ-2-Diabetes entwickelt. Über einen strukturierten Fragebogen wurden Anforderungen im Beruf, Entscheidungsspielraum, Arbeitsbelastung, Schichtarbeit und Überstunden erfasst. Erfragt wurde auch das Kohärenzgefühl ("Zugehörigkeitsgefühl"), das durch Beziehungen und zwischenmenschliche Kommunikation entsteht3.

Die Ergebnisse zeigten je nach Geschlecht Unterschiede: Bei Frauen scheinen beruflicher Stress und Schichtarbeit zur Entwicklung eines Typ-2-Diabetes beizutragen - zusätzlich zu bereits bekannten Risikofaktoren wie Alter, Bildungsabschluss, BMI (Body-Mass-Index), Rauchen, familiärer Diabetesbelastung und psychischem Stress. Bei Männern dagegen reduzierte sich die Diabetes-Wahrscheinlichkeit durch hohe körperliche Belastungen und eine aktive Tätigkeit.

Professor Karin Lange, Fachpsychologin Diabetes DDG, bietet eine mögliche Erklärung für diese Studienergebnisse an: Ob eine hohe Arbeitsbelastung mit einem höheren Diabetesrisiko einhergeht, hängt ihrer Einschätzung nach vor allem damit zusammen, inwieweit eine Person die eigene Tätigkeit selbst "sinnvoll" gestalten kann. Wenn hohe Anforderungen mit geringen Entscheidungsspielräumen verbunden seien, gehe dies in der Regel mit hohem Stress und einem Gefühl der Hilflosigkeit einher. Das Stresshormon Kortisol wird in Stresssituationen vermehrt ausgeschüttet, sodass höhere Blutspiegel des Insulin-Gegenspielers auftreten.

Eine gesündere Lebensweise und Übergewicht vermeiden – das sind die klassischen Möglichkeiten das eigene Typ-2-Diabetes-Risiko zu senken. Mit diesen Studienergebnissen kommt eine weitere dazu: Im Beruf noch stärker darauf zu achten, dass aus dem Job nicht noch ein weiterer Risikofaktor wird. 

Quelle

1 "Job strain" als Risikofaktor für Typ-2-Diabetes
(http://www.diabetologie-online.de/a/1678186) (Stand: 20.01.2015)

2 Beruflicher Stress, Kohärenzsinn und das Risiko für Typ-2-Diabetes (http://www.diabetologie-online.de/a/1600015) (Stand: 20.01.2015)

3 Theodor Dierk Petzold, Nadja Lehmann (Hrsg.): Kommunikation mit Zukunft - Salutogenese und Resonanz. Verlag Gesunde Entwicklung, Bad Gandersheim 2011.
(Fundstelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Salutogenese (Stand: 20.01.2015)

Teilen