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Lipödeme: Mehr als nur geschwollene Beine und Arme

Lipödeme: Mehr als nur geschwollene Beine und ArmeMehr als nur geschwollene Beine und
Arme: Was sind Lipödeme genau und
welche Ursachen gibt es für die
Erkrankung?

Ein paar kleine Fettpölsterchen hat fast jeder. Doch wenn Arme oder Beine unförmig anschwellen und bei jeder Berührung schmerzen, dann steckt möglicherweise ein Lipödem dahinter. Die genauen Ursachen dieser krankhaften Störung der Fettverteilung sind unklar. Für Menschen mit insulinpflichtigem Diabetes bringen Lipödeme auch noch andere Schwierigkeiten mit sich – denn: Lipödeme können die Insulinwirkung beeinflussen.

Wenn im Frühjahr die Temperaturen wieder nach oben klettern, kramen viele von uns auch wieder kurze Röcke, Shorts und kurzärmelige Oberteile aus dem Kleiderschrank hervor. Für Menschen mit Lipödem kommen solche Kleidungsstücke allerdings meist nicht in Frage. Sie fühlen sich unwohl, weil ihre Körper nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen und ihnen außerdem Schmerzen bereiten. Lange Zeit wurden diese Beschwerden von vielen Ärzten nicht ernst genommen.

Gesundheitsminister Spahn lenkte Aufmerksamkeit auf das Lipödem

Doch dann kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Anfang 2019 an, Menschen mit Lipödemen schnelleren Zugang zu Fettabsaugungen (Liposuktionen) als Kassenleistung zu verschaffen. Er setzte sich damit sogar über den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) hinweg, der eigentlich über die Aufnahme von Leistungen in den Katalog der gesetzlichen Krankenversicherung zu entscheiden hat.1 Seit dieser Debatte wird in der Öffentlichkeit auf einmal viel über diese bis dato eher unbekannte Erkrankung geredet. Betroffene wagen den Schritt und sprechen über ihre Lipödeme. Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass ein Lipödem eine ernstzunehmende Erkrankung und nicht zwingend durch mangelnde Disziplin beim Essen ausgelöst wird.

Krankhafte Fettverteilungsstörung der Extremitäten

Doch worum handelt es sich bei einem Lipödem eigentlich genau? Was unterscheidet es von krankhaftem Übergewicht (Adipositas)? Von Lipödemen sind – anders als von Adipositas – fast ausschließlich Frauen betroffen. Die Erkrankung kann sich aus einer Fettverteilungsstörung (Lipohypertrophie) an Hüfte, Beinen oder Armen entwickeln, in deren Unterhautfettgewebe sich infolge dieser Störung vermehrt Fettzellen ansammeln. Dies kann zu sehr ungleichmäßigen Körperproportionen führen und die Betroffenen psychisch enorm belasten. Doch die Erkrankung ist auch körperlich stark beeinträchtigend: Häufig reagieren die geschwollenen Bereiche bereits auf geringsten Druck mit Schmerzen und bilden blaue Flecken (Hämatome). Hinzu kommt ein unangenehmes Spannungsgefühl. Man unterscheidet bei Lipödemen drei Stadien: Im ersten Stadium ist die Hautoberfläche glatt, die Unterhaut ist verdickt und die Fettstruktur feinknotig. Im zweiten Stadium ist die Hautoberfläche uneben und die Fettstruktur grobknotig. Im dritten Stadium wird das gesamte Gewebe derber und härter, es bilden sich unförmige Fettlappen.

Lipödeme und Diabetes: Wirkt das Insulin?

Weil die vergrößerten Fettzellen im Krankheitsverlauf die kleinen Lymphgefäße abdrücken, kann sich Flüssigkeit in den Beinen und/oder Armen stauen. Diese Wassereinlagerungen – im Fachjargon Ödeme genannt – sind dafür verantwortlich, dass die Extremitäten weiter unförmig anschwellen. Für Menschen mit Diabetes, die Insulin spritzen, ist diese Entwicklung besonders ungünstig. Denn in den angeschwollenen Bereichen kann die Durchblutung eingeschränkt sein und das Gewebe verhärtet, sodass Insulin schlecht oder nur verzögert seine Wirkung entfaltet.2 Von den Schmerzen einmal ganz abgesehen, die eine Insulinspritze in ein krankhaft geschwollenes Bein verursacht!

Genetische Veranlagung und Hormonschwankungen als Verursacher

Bei den Ursachen der Fettverteilungsstörung tappen die Experten allerdings noch weitgehend im Dunkeln. Sie sind sich lediglich darin einig, dass die betroffenen Frauen häufig eine genetische Veranlagung aufweisen und dass verschiedene Faktoren letztlich zum Ausbruch der Erkrankung führen. Vermutlich sind Hormone unter den Übeltätern, denn besonders häufig kommt es in Phasen mit großen Hormonschwankungen erstmals zu Lipödemen – sprich in Pubertät, Schwangerschaft und Wechseljahren.3 Starkes Übergewicht ist zwar nicht die Ursache für ein Lipödem, es lässt die Erkrankung aber deutlich schneller voranschreiten.4

Lipödeme erfolgreich behandeln

Doch zum Glück gibt es wirkungsvolle Behandlungsmaßnahmen, die das Voranschreiten der Erkrankung bremsen können. Eines vorab: Eine Fettabsaugung (Liposuktion) beim Plastischen Chirurgen oder Dermatologen steht dabei nicht an erster Stelle, auch wenn die jüngste öffentliche Diskussion diesen Anschein vermittelt. Tatsächlich stehen etliche Wissenschaftler der Liposuktion skeptisch gegenüber. Sie möchten vor einer Kassenzulassung zunächst warten, bis es belastbare Studien gibt, die den Nutzen der Behandlung eindeutig belegen. Genau deshalb war der Gemeinsame Bundesausschuss in seiner Nutzenbewertung auch so lange zurückhaltend und empfiehlt die Liposuktion nur für Frauen mit weit fortgeschrittenem Lipödem, bei denen eine Kombination konservativer Methoden ohne Erfolg geblieben ist.5
Neben einem chirurgischen Eingriff können aber auch folgende Therapiemethoden helfen, die schmerzhaften Fett- und Wassereinlagerungen zu bekämpfen:

  • Entstauung. Eine manuelle Lymphdrainage ist eine spezielle Massage, mit der eigens ausgebildete Physiotherapeuten den Lymphfluss anregen und auf diese Weise helfen, die angestaute Flüssigkeit abzutransportieren.
  • Kompression. Die individuell angepassten engen Strümpfe und Armlinge sind zwar nicht unbedingt leicht anzulegen und fühlen sich anfangs sehr ungewohnt an. Doch sie drücken das Gewebe zusammen und verhindern, dass sich neue Gewebsflüssigkeit ablagert.
  • Apparative intermittierende Kompression. Es gibt pneumatische Geräte für die Anwendung zu Hause, die über aufblasbare Kammern die Haut massieren und auf diese Weise angestaute Flüssigkeit von den Füßen nach oben treiben. Die Therapie mit pneumatischen Mehrkammergeräten heißt auch apparative intermittierende Kompressionstherapie.

Die Betroffenen können aber auch ohne ärztliche Verordnung oder Therapie einiges selbst tun, um ihre Beschwerden zu lindern:

  • Bewegung. Mit schmerzhaft geschwollenen Beinen fällt körperliche Aktivität schwer. Doch jegliche Art der Bewegung unterstützt den Rückfluss aus Venen und Lymphgefäßen. Besonders gelenkschonend sind Schwimmen bzw. Aquagymnastik, doch auch Radfahren und Spazierengehen sind geeignet.
  • Ernährung. Übergewicht ist zwar nicht der eigentliche Verursacher des Lipödems, doch es beschleunigt das Voranschreiten der Erkrankung. Deshalb sollten Betroffene versuchen, ihr Gewicht zu reduzieren – am besten mit einer ausgewogenen Mischkost und ausreichender Trinkmenge.
  • Hautpflege. Die Haut immer gut eincremen, damit sie nicht austrocknet oder rissig wird. Auf Bürstenmassagen oder heiße Bäder verzichten, denn sie wirken kontraproduktiv.
  • Beine hochlegen. In der Nacht die Beine möglichst höher lagern und auch tagsüber zwischendurch immer einmal die Beine hochlegen – das erleichtert den Abfluss der angestauten Flüssigkeit.

Tipps speziell für Menschen mit Diabetes, die Insulin spritzen:

  • Injektionsstellen. Das Insulin möglichst nicht in Bereiche spritzen, die vom Lipödem betroffen sind. Denn hier ist die Wirkung des Insulins schwer vorhersehbar.
  • Nadelwechsel. Das regelmäßige Auswechseln der Nadeln nach jeder Injektion sichert nicht nur eine schmerzfreie Injektion, sondern kann auch dazu beitragen, dem Entstehen von Lipohypertrophien (Geschwulstartige Verdickungen des Unterhautfettgewebes) vorzubeugen.
  • Nadellänge. In den allermeisten Fällen reichen kurze (4 mm) Pennadeln völlig aus, damit das Insulin sicher in das subkutane Fettgewebe gespritzt wird.
  • Insulinpumpe. Manchen Betroffenen gelingt eine bessere Einstellung ihrer Glukosewerte, wenn sie von einer Pen-Therapie auf eine Insulinpumpe wechseln, bei der nur ca. alle drei Tage eine Nadel gesetzt werden muss. Am besten mit dem behandelnden Diabetologe besprechen, ob ein solcher Wechsel im individuellen Fall sinnvoll ist.
  • Insulinresistenz. Viele Frauen mit Lipödem benötigen große Mengen an Insulin, weil ihre Zellen u. a. infolge des Übergewichts nur noch schlecht auf Insulin reagieren (Insulinresistenz). Auch hier weiß der Diabetologe Rat, ob ggf. begleitende Medikamente dabei helfen können, die Zellen wieder insulinempfindlicher zu machen.

Fazit: Ein Lipödem ist kein Grund, sich zu schämen oder zu verstecken. Es ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die behandelt werden sollte. Nachdem sie lange mit Tabus behaftet war, trauen sich Betroffene mittlerweile in die Öffentlichkeit und erzählen ihre Geschichten – auf Blogs6, in Selbsthilfe-Foren7, sozialen Medien8 und in Online-Videos9. Und ermutigen auf diese Weise anderen, sich ebenfalls aus der Tabuzone herauszuwagen und offen mit ihrer Erkrankung umzugehen.

1 Siehe https://www.bundesgesundheitsministerium.de/ministerium/meldungen/2019/liposuktion.html

2 Liebl: Insulintherapie: Fallstricke bei der Injektion vermeiden, Dtsch Arztebl 2017; 114(41): [8]; DOI: 10.3238/PersDia.2017.10.13.02 https://www.aerzteblatt.de/archiv/193958/Insulintherapie-Fallstricke-bei-der-Injektion-vermeiden

3 S1-Leitlinie Lipödem der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie von 2015 https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/037-012l_S1_Lipoedem_2016-01.pdf

4 Bertsch und Erbacher: Lipödem – Mythen und Fakten. In: Phlebologie 2018; 47: 188–197 https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.12687/phleb2421-4-2018?articleLanguage=de

5 Siehe https://www.g-ba.de/downloads/40-268-4768/2018-01-18_Erp-RL_Liposuktion_TrG.pdf

6 z. B. https://lipoedem.blogspot.com oder https://www.deinestarkeseite.de/lipoedem-mit-diabetes-typ-1/

7 z. B. https://lipoedem-forum.de/index.php

8 z. B. https://www.instagram.com/lipoblog/

9 z. B. https://www.youtube.com/watch?v=x0tJvOGofXI oder https://www.youtube.com/watch?v=EvNLcB7cR2A

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