Ernährung bei Diabetes: Weniger Kohlenhydrate für mehr Gesundheit?

Kartoffeln vom Vortag: Gut für Blutzucker und Figur?Ernährung bei Diabetes: Neuen Studien
zufolge sind weniger Kohlenhydrate
empfehlenswert.

Neue Studienergebnisse legen nahe, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes von einer Einschränkung der Kohlenhydratzufuhr profitieren können. Prof. Dr. Andreas Pfeiffer vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung hat bei einer Fortbildungsveranstaltung für Diabetesexperten dazu berichtet.

Im Rahmen einer Studie erhielten 115 stark übergewichtige Teilnehmer eine kalorienreduzierte Kost. Eine Teilgruppe erhielt die Diät als Low-Carb Variante mit weniger als 50 Gramm Kohlenhydraten pro Tag. Umgerechnet stammten nur rund 14% der Nahrungsenergie aus Kohlenhydraten.

Die Teilnehmer der anderen Gruppe erhielten bei gleicher Kalorienstufe 53 Prozent der Energie aus Kohlenhydraten.

Von den 115 Teilnehmern hielten insgesamt 93 Personen die Diätphase von 24 Wochen bis zum Ende durch. Die Ergebnisse:

Reguläre DiätLow-Carb-Diät
Gewichtsabnahme6 – 17 kg pro Teilnehmer5,7 – 18,3 kg pro Teilnehmer
HbA1c-Wert- 1,9 % (20,8 mmol/mol)- 2,6% (28,4 mmol/mol)

Günstige Wirkung auf Diabeteseinstellung und Körpergewicht

Der geringe Kohlenhydratanteil in der Low-Carb-Gruppe wirkte sich sowohl günstig auf die Diabeteseinstellung als auch auf das Körpergewicht aus. Die Studienautoren halten die kohlenhydratarme Ernährung für einen wirksamen Ansatz zur Behandlung des Typ-2-Diabetes - vorausgesetzt, die Effekte halten länger an als die 24 Wochen umfassende Diätphase.

Wissenschaftler diskutieren inzwischen darüber, ob diese neuen Studienergebnisse eine Änderung der Empfehlung der medizinischen Fachgesellschaften, unter anderem der Deutschen Diabetes Gesellschaft, erforderlich machen.

Kritiker der Low Carb-Ernährung bemängeln, dass eine Kost mit weniger Kohlenhydraten für viele Menschen in der Praxis auf lange Sicht nur schwer umsetzbar ist. Denn Kohlenhydrate stecken nicht nur in Brot, Nudeln, Reis und anderen Getreidesorten sowie Kartoffeln, sondern auch in Obst und Gemüse, Milch und Milchprodukten und allen zuckerhaltigen Lebensmitteln wie Keksen, Kuchen oder Eiscreme.

Mikronährstoffe als Appetitbremse

Neben dem Energie- und Kohlenhydratgehalt der Kost scheinen auch Mikronährstoffe eine bedeutsame Rolle zu spielen: Sie können im Darm eine Freisetzung von appetitsenkenden Hormonen auslösen. Die Mikrobiota (früher: Darmflora) des Dickdarms fermentieren Ballaststoffe und produzieren daraus kurzkettige Fettsäuren. In einer Studie mit 60 übergewichtigen Erwachsenen konnte gezeigt werden, dass dieser Mechanismus zu einer Freisetzung von Sättigungshormonen wie GLP-1 führt. Die Studienteilnehmer aßen weniger und nahmen an Gewicht ab. Geplant ist die Entwicklung spezieller funktioneller Lebensmittel, die diese Wirkung gezielt entfalten.

Doch Ballaststoffe, die von den Mikroorganismen im Darm zu kurzkettigen Fettsäuren fermentiert werden, stehen schon heute zur Verfügung: Sie sind reichlich enthalten in Vollkornprodukten, Obst und Gemüse.

Quellen:
  1. W.A. Scherbaum, neue Ergebnisse zu Diabetes mellitus und seinen Komplikationen. Der Diabetologe 2015,11;265-269
  2. Tay et al., A very low Carbohydrate, low saturated fat diet for type 2 management: a randomized trial. Diabetes Care 37:2909-2918
  3. Chambers et al, Effects of targeted delivery of proprionate to the human colon on apetite regulation, body weight maintenance and adiposity in overweight adults. Gut 2014. DOI10.1136/gutjnl-2014-307913
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