Gesund süßen für Diabetiker:innen: Xylit, Zucker und mehr im Check

Süßungsmittel-Alternativen wie etwa Xylit, Maltit oder Sorbitol besitzen eine geringe Blutzuckerwirkung. Für Diabetiker:innen scheinen sie also auf den ersten Blick gut geeignet zu sein. Doch Nebenwirkungen und die richtige Verwendung bei der Zubereitung von Gerichten verunsichern viele Menschen mit Diabetes. Alles Wichtige zu den Zuckeraustauschstoffen lesen Sie hier!

Xylit, Maltit und Co.: Mit den richtigen Süßungsmitteln sind auch Donuts für Diabetiker:innen erlaubt.

Diabetes – wie viel Zucker darf es sein?

Die Zeiten der speziellen Diäten sind lange vorbei und die Forschung ist sich heute einig: Für Menschen mit Diabetes ist auch normaler Haushaltszucker erlaubt.1 Solange in Maßen genossen – eine Empfehlung, die natürlich auch für Menschen ohne Diabetes gilt – sind Süßigkeiten, Desserts und Kuchen akzeptiert.

Was heißt das konkret? Die Weltgesundheitsorganisation rät, maximal bis zu 10 Prozent des Energiebedarfs durch „freien“ Zucker aufzunehmen, am besten sogar nur maximal 5 Prozent. Das entspricht bei 2.000 Kalorien 25 bis 50 Gramm Zucker am Tag. Viele ältere sowie wenig aktive Personen haben einen niedrigeren Energiebedarf – daher sind oft wenige Teelöffel Zucker am Tag schon genug.

Als „freier“ Zucker zählt Haushaltszucker, der Speisen und Getränken zugesetzt wurde, sowie auch in Honig und Fruchtsäften enthaltener Zucker. Die natürliche Süße in Obst oder Milchzucker kommt nicht hinzu – erhöht aber genauso den Blutzucker.

Wieso Zuckerkonsum reduzieren?

Bei unserer Vorliebe für süßen Geschmack ist die empfohlene tägliche Zuckermenge schnell erreicht. Zudem lässt Haushaltszucker den Blutzuckerspiegel rasch ansteigen und sorgt bei Menschen mit Diabetes oft für Blutzuckerspitzen. Darüber hinaus liefert Zucker viele Kalorien, ohne sie mit Vitaminen und Mineralstoffen zu versorgen. Häufiger Verzehr kann sich schnell negativ auf das Körpergewicht und die allgemeine Gesundheit auswirken.3

So stellt sich rasch die Frage nach alternativen Süßungsmitteln für Diabetiker:innen, ohne den Blutzucker und Insulinspiegel außer Kontrolle zu bringen. Viele Lebensmittel-Etiketten werben daher mit „zuckerreduziert“, „frei von Zucker“ oder Angaben zu unterschiedlichen Süßungsmitteln, die den herkömmlichen Haushaltszucker ersetzen sollen. Beliebt für Diabetiker:innen ist beispielsweise Xylit.

Xylit, Saccharin, Sorbitol – was sind typische Süßungsmittel für Diabetiker:innen?

Als Zusatzstoffe werden Süßungsmittel in Diabetes- und Light-Produkten häufig verwendet, um Lebensmittel zu süßen und Zucker einzusparen. Fachleute unterteilen Süßungsmittel in Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe. Letztere sind auch als Zuckeralkohole bekannt. Mit dem uns bekannten Trinkalkohol aus Wein und Bier haben sie aber nichts zu tun, es ist lediglich die chemische Bezeichnung.

Vor- und Nachteile der Süßstoffe

Süßstoffe liefern gar keine oder kaum Kalorien, erhöhen daher nicht den Blutzuckerspiegel und sind auch für die Zähne gesund, denn sie verursachen keine Karies. Aspartam, Cyclamat und Saccharin – um nur einige bekannte Vertreter zu nennen – verfügen über eine deutlich höhere Süßkraft als Haushaltszucker. Auch die noch relativ neuen Steviolglycoside, ein Extrakt der Stevia-Pflanze, gehören zu den kalorienfreien Süßstoffen.

Allen ist gemeinsam, dass sie aufgrund ihrer starken Süßkraft nur eine geringere Masse im Vergleich zu Zucker bieten – schwierig für die Zubereitung von Kuchen, Cremes, Keksen und Co. Die Lebensmittelindustrie verwendet sie gerne für energiereduzierte Light-Produkte. Aus Sicherheitsgründen gibt es für alle Süßstoffe enge Grenzwerte, denn sie standen im Verdacht, Krebs zu fördern. Dies konnte wissenschaftlich nicht bewiesen werden. Ein erhöhtes Krebsrisiko trat bei sehr hohen Dosen und Tierversuchen auf.

Eine in Tierstudien beobachtete negative Wirkung auf den Kohlenhydratstoffwechsel ist vermutlich nicht auf Menschen übertragbar.5 Ein möglicher schlechter Einfluss auf die Darmmikrobiota (Darmflora) bedarf noch weiterer Forschung – er wurde bisher ebenfalls nur in Tierexperimenten bemerkt.5 Weitere häufig geäußerte Bedenken wie ein Fördern von Übergewicht konnten nicht belegt werden – im Gegenteil zeigt die Datenlage vielmehr, dass sie den geplanten Abnehmwunsch unterstütze.5

Fazit:

Menschen mit Diabetes können Süßstoffe zur Blutzuckerkontrolle und Insulineinsparung im Rahmen einer gesunden Ernährung einsetzen. Wichtig: Beachten Sie die Höchstgrenzen! Ein maßvoller Konsum gilt als unbedenklich.5

Zuckeraustauschstoffe unter der Lupe

Zuckeralkohole wie Xylit liefern Energie, jedoch mit circa 2,4 Kalorien auf ein Gramm wesentlich weniger als der übliche Haushaltszucker (4 Kalorien).6 Das Kalorien-Einsparpotenzial ist dennoch geringer als bei den Süßstoffen.

Vorteil der Zuckeraustauschstoffe: Sie können besser in Rezepturen für Kuchen und Plätzchen gegen Zucker ausgetauscht werden und so einige Kalorien einsparen. Da sie insulinunabhängig im Körper verarbeitet werden, sind sie für Menschen mit Diabetes interessant.5 Zudem sind sie ebenso zahnfreundlich (Ausnahme Sorbitol) wie die anderen Süßungsmittel.

Unangenehmer Nachteil: Ein Zuviel bewirkt häufig Verdauungsproblemen und Durchfall. Den Hinweis „Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ kennen Sie vielleicht von Kaugummis oder Bonbons, in denen Xylit oder Sorbitol häufig eingesetzt wird.

Fazit:

Für Zuckeralkohole sind keine Höchstmengen festgelegt. Dennoch gilt auch bei diesem Süßungsmittel für Diabetiker:innen: Weniger ist mehr.

Xylit, Maltit, Sorbitol – was sind die Unterschiede der Zuckeralkohole?

Mit unserer Übersicht finden Sie sich im Dschungel der geeigneten Süßungsmittel für Diabetiker:innen zurecht. Bedenken Sie dabei: Bis auf Erythrit enthalten alle Zuckeralkohole Kalorien. Auf den Blutzucker haben sie einen geringeren Effekt als Haushaltszucker und führen maximal zu einem kleinen Anstieg. Dennoch sollten sie in Maßen verzehrt werden.

Xylit für Diabetiker:innen

Ursprünglich wurde Xylit aus der Rinde von Birken gewonnen – deshalb ist es auch als Birkenzucker bekannt. Heute stellt man ihn aus Mais her. Sein Pluspunkt: Er besitzt dieselbe Süßkraft wie Haushaltszucker, dabei aber 40 Prozent weniger Kalorien. Xylit ist für Diabetiker:innen also eine gute Süßungsmittel-Alternative.

Weiterer praktischer Vorteil von Xylit: Er ähnelt in Konsistenz und Geschmack dem Haushaltszucker, sodass Sie die verwendete Menge zum Kochen und Backen nicht umrechnen müssen. Bei Xylit handelt es sich um ein industriell hergestelltes Produkt, welches 10- bis 40-mal so teuer ist wie die vergleichbare Menge Haushaltszucker.9

Interessantes Detail: Der Körper stellt beim Stoffwechsel der Kohlenhydrate selbst kleine Mengen Xylit her.

Sorbitol (E 420) bei Diabetes

Sorbitol oder auch Sorbit (E 420) wird industriell aus Maisstärke hergestellt, kommt natürlicherweise aber auch in vielen Obstsorten vor. Da seine Süßkraft nur halb so groß ist wie die von Haushaltszucker, müssen Sie zum Süßen von Lebensmitteln eine deutlich höhere Menge Sorbitol verwenden.6

Ergebnis: Der eingesparte Kaloriengehalt ist schnell wieder ausgeglichen. Auch wenn es nur einen geringen Effekt auf den Blutzuckerspiegel hat, bringt Sorbitol bei Diabetes kaum Vorteile. Inwieweit Sorbitol die Zähne schont und keine Karies verursacht, diskutiert die Wissenschaft noch.

Was ist Isomalt? (E 953)?

Isomalt wird in einem zweistufigen Prozess aus normalem Haushaltszucker gewonnen. Es hat etwa halb so viele Kalorien wie Zucker, verfügt aber auch nur über die Hälfte der Süßkraft. Außerdem soll es eine besonders zahnschonende Wirkung haben.6 In Speiseeis, Marmeladen, Gebäck, Saucen und Senf eingesetzt, ersetzt es seinen traditionellen Kollegen.

Diabetes und Maltit (E 965)

Hergestellt wird Maltit aus Mais- oder Kartoffelstärke. Der Zuckerersatz besitzt bei etwa halb so vielen Kalorien immer noch fast so viel Süßkraft wie normaler Zucker.6

Maltit ist daher auch für Menschen mit Diabetes geeignet und findet sich in vielen speziellen Produkten. Aufgrund seiner hohen Wasserbindungsfähigkeit setzt die Lebensmittelindustrie Maltit außerdem als Konservierungsmittel und Emulgator in Soßen und Tütensuppen ein.

Fruchtzucker (Fruktose) bei Diabetes

Die Süßkraft von Fruktose ist etwas höher als von Industriezucker, die Kalorienzahl bleibt jedoch gleich. Energie-Einsparung ist hier also Fehlanzeige!

Fruktose galt lange wegen ihrer geringen Insulinwirkung als idealer Zuckerersatz bei Diabetes. Die Empfehlung ist inzwischen überholt: Für Diabetiker:innen eignen sich andere Süßungsmittel wie Xylit oder Süßstoffe besser. Denn ein Zuviel an Fruktose kann die Entwicklung von Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen bis hin zum metabolischen Syndrom oder die Entstehung einer Fettleber begünstigen.5

Die Fruktose, welche in 2 bis 3 Portionen Obst enthalten ist, bleibt unbedenklich. Früchte als gesunde Lebensmittel dürfen Sie weiter genießen. Vermeiden Sie jedoch hohe Mengen an Fruktose, zum Beispiel aus gesüßten Getränken. Personen mit einer Fruchtzuckerunverträglichkeit sollten dieses Süßungsmittel natürlich ebenfalls aus dem Speiseplan streichen.

Alternative Erythrit (E 968)?

Dieses Süßungsmittel ist noch ein relativ neuer Vertreter seiner Art und bietet gerade für Diabetiker:innen viele Vorteile: Erythrit besitzt nahezu keine Kalorien und wird schon im oberen Verdauungstrakt aufgenommen, sodass diese Alternative nur äußerst selten zu Verdauungsproblemen führt und den Blutzuckerspiegel nicht beeinflusst.5 Es hat nur 60 Prozent der Süßkraft von Haushaltszucker.11

Erythrit kommt natürlicherweise nur in geringen Mengen in Obst, Gemüse und Käse vor. Hergestellt wird es biotechnologisch über mehrere Verarbeitungsschritte, mithilfe von Pilzen aus Kohlenhydraten wie Traubenzucker oder Haushaltszucker.

Als weitere Zuckeraustauschstoffe sind noch Mannit und Lactit im Einsatz. Mannit spielt aufgrund seines hohen Preises in der Lebensmittelindustrie eine geringe Rolle. Lactit wird aus Milchzucker gewonnen und ähnlich wie Isomalt eingesetzt.

Tipps zur Verwendung von Süßungsmitteln wie Xylit für Diabetiker:innen

Wenn Sie zur Gewichtsstabilisierung und zur Blutzuckerkontrolle zuckerreduzierte oder zuckerfreie Produkte mit Süßungsmitteln auswählen, achten Sie am besten auch auf den Gehalt anderer Inhaltsstoffe wie Fette. Denn manches Mal ist das Etikett „zuckerfrei“ eine irritierende Mogelpackung und es verbirgt sich keinerlei Kalorieneinsparung dahinter.

Manche Personen tendieren dazu, den eingesparten Effekt von Süßungsmitteln durch andere Lebensmittel auszugleichen. Bleiben Sie achtsam, wenn Sie Ihr Gewicht kontrollieren möchten. Verwenden Sie die süßen Alternativen am besten bewusst und in kleinen Mengen.

Quellen

1 Ernährung bei Diabetes mellitus. Die Techniker. Abgerufen am 8. November 2022, von https://www.tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-med….

2 World Health Organization (2015, 10. März). Information note about intake of sugars recommended in the WHO guideline for adults and children. Abgerufen am 8. November 2022, von https://www.who.int/publications/i/item/WHO-NMH-NHD-15.3.

3 Ernst JB, Arens-Azevêdo U, Bitzer B, Bosy-Westphal A, de Zwaan M, Egert S, Fritsche A, Gerlach S, Hauner H, Heseker H, Koletzko B, Müller-Wieland D, Schulze M, Virmani K, Watzl B, Buyken AE für Deutsche Adipositas-Gesellschaft, Deutsche Diabetes Gesellschaft und Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Quantitative Empfehlung zur Zuckerzufuhr in Deutschland. Bonn, 2018.

4 Lebensmittelzusatzstoffe und Süßstoffe. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum. Abgerufen am 8. November 2022, von https://www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/lebensmittelz….

5 Knies, J. M.: Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe – Teil 2, Ernährungs-Umschau, 9/2018, 55–59.

6 Süßungsmittel : Zusatzstoffe mit nahezu kalorienfreier Süßkraft. Abgerufen am 8. November 2022, von https://www.bzfe.de/lebensmittel/lebensmittelkunde/suessungsmittel/.

7 Diabetes Typ 2: Ernährung - Diabetesinformationsportal. Abgerufen am 8. November 2022, von https://www.diabinfo.de/leben/typ-2-diabetes/behandlung/ernaehrung.html.

8 Fakten über Zuckeraustauschstoffe. diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe. Abgerufen am 8. November 2022, von https://www.diabetesde.org/fakten-zuckeraustauschstoffe.

9 Kokosblüten-, Birkenzucker, Stevia & Co. kein sinnvoller Zuckerersatz. Verbraucherzentrale.de. Abgerufen am 8. November 2022, von https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/schlankheitsmitt….

10 Isomalt. Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Abgerufen am 8. November 2022, von https://www3.hhu.de/biodidaktik/zucker/Zucker/isomalt.html.

11 Süßende Lebensmittel und Süßungsmittel : Kokosblütenzucker, Rote-Banane-Pulver, Birkenzucker? diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe e.V. Abgerufen am 8. November 2022, von https://www.bzfe.de/lebensmittel/trendlebensmittel/suessende-lebensmitt….