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Eine Hypoglykämie oder Unterzuckerung tritt auf, wenn der Blutzuckerspiegel rapide abfällt.

Hypoglykämie: Unterzuckerungen erkennen und vermeiden

Bei einer Hypoglykämie oder Unterzuckerung fällt der Blutzuckerspiegel bei Menschen mit Diabetes auf unter 70 mg/dl (3,8 mmol/l). Menschen ohne Diabetes bekommen im Normalfall keine Unterzuckerungen, da der Körper rechtzeitig mit Gegenmaßnahmen auf einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel reagiert. Wie eine Hypoglykämie entsteht, wie Sie diese rechtzeitig erkennen und was Sie dagegen tun können erfahren Sie hier.

Wie kommt es zu einer Unterzuckerung?

Die Wahrscheinlichkeit für eine Hypoglykämie ist bei Menschen mit Diabetes am höchsten, die insulinpflichtig sind oder Tabletten einnehmen, die die Insulinproduktion anregen. Eine zu hohe Insulinkonzentration im Blut kann verschiedene Gründe haben, beispielsweise:

  • Mahlzeit vergessen oder zu spät eingenommen (zu langer Ess-Spritz-Abstand)
  • Kohlenhydratgehalt überschätzt bzw. Zusatzinsulinmenge (Bolus) zu hoch berechnet
  • ungewöhnliche körperliche Belastung, z.B. ungeplante oder auch zu lange sportliche Betätigung ohne Zwischenmahlzeit – das heißt ohne vorherige Anpassung der Insulin- oder Medikamentengabe)
  • Insulin versehentlich doppelt gespritzt
  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
  • Alkoholgenuss, vor allem ohne etwas zu essen (Alkohol blockiert die Zuckerneubildung in der Leber)
  • Nebenwirkungen von Medikamenten

    Erste Anzeichen einer Unterzuckerung

    Ist bei Menschen mit Diabetes im Verhältnis zur Insulinmenge zu wenig Zucker im Blutkreislauf vorhanden, fällt der Blutzuckerspiegel rapide ab. Gewöhnlich reagiert der Körper mit einer hormonellen Gegenregulation, um eine herannahende Unterzuckerung zu verhindern. Bei Menschen mit Diabetes, die mit Insulin therapiert werden oder Tabletten einnehmen, ist dieser Mechanismus oft beeinträchtigt. Der Körper schafft es aus eigener Kraft oft nicht, den Blutzucker wieder zu erhöhen.

    Mit Einleitung der Gegenmaßnahmen schüttet der Körper Stresshormone aus. Dadurch wird das Nervensystem anregt und körperliche Symptome verursacht, die frühe Warnhinweise auf eine Hypoglykämie geben:

    • Zittern und „Weiche Knie“
    • schneller Puls und Herzrasen
    • kalte Schweißausbrüche
    • blasse Gesichtsfarbe
    • Heißhunger
    • innere Unruhe, Nervosität

      Werden keine Gegenmaßnahmen von außen eingeleitet, sinkt der Blutzuckerspiegel weiter. Es kommt möglicherweise zu einer Unterversorgung des Gehirns. Darauf können gehirnbedingte Anzeichen (neuroglykopenische Symptome) aufmerksam machen. Dazu zählen:

      • Müdigkeit
      • Kopfschmerzen
      • Verstimmung, Reizbarkeit
      • Konzentrationsschwäche
      • Schwierigkeiten beim Sehen, Denken und Sprechen

        Schreitet die Unterzuckerung weiter fort, können sich die Symptome verstärken und ein ausgeprägter Glukosemangel in den Gehirnzellen entstehen. Typische Symptome sind:

        • Stimmungsschwankungen und Verhaltensauffälligkeiten von Albernheit bis hin zu Aggressivität
        • Bewusstseinstrübungen und geistige Verwirrtheit
        • Koordinations- und Bewegungsstörungen (zum Beispiel unsicherer Gang)
        • Krampfanfälle
        • Bewusstlosigkeit, Koma

          Die Anzeichen einer Hypoglykämie sind vielfältig. Sie treten nicht immer alle oder in einer bestimmten Reihenfolge auf. Ab welchem Blutzuckerwert genau eine Unterzuckerung vorliegt und ab wann welche Beschwerden einsetzen, ist individuell verschieden. Von einer Unterzuckerung ist ab 70 mg/dl, beziehungsweise 3,9 mmol/ml. die Rede, wenn der Blutzuckerspiegel auf unter 50 mg/dl (2,78 mmol/l) sinkt, wird es gefährlich.

          Bei Menschen mit Diabetes kann das körpereigene Alarmsystem wegen häufiger Unterzuckerungen oder durch einen langjährigen Diabetes abgestumpft sein. Die Frühwarnzeichen können dadurch immer schwächer ausfallen oder sogar ganz ausbleiben. Eine Hypoglykämie wird meist erst dann wahrgenommen, wenn ein Glukosemangel im Gehirn entsteht. In speziellen Schulungen kann die Wahrnehmung des eigenen Körpers trainiert werden, um Warnhinweise einer Unterzuckerung rechtzeitig deuten zu können

          Schnelle Hilfe bei Unterzuckerung

          Ein niedriger Blutzucker kann sehr plötzlich auftreten. Bei Verdacht auf eine Hypoglykämie sollten Menschen mit Diabetes sofort handeln. Bei leichten Unterzuckungen hilft:

          • Möglichst rasch 20 Gramm Kohlenhydrate zu sich nehmen. Am besten eignet sich schnell wirkender Zucker – ein Glas Fruchtsaft oder Limonade (keine Light-Getränke), Flüssigzucker aus der Apotheke, Traubenzuckerplättchen oder Gummibärchen.
          • Nach 15 Minuten Bluckzucker messen. Liegt der Blutzuckerspiegel unter 60 mg/dl (3,3 mmol/l) nochmals bei genannten Lebensmitteln zugreifen.
          • Anschließend eine Mahlzeit oder einen Snack mit länger wirksamen Kohlenhydraten einnehmen, beispielsweise Kartoffeln, Brot oder Reis

            Ohne rechtzeitige Gegenmaßnahmen kann sich aus einer milden Hypoglykämie schnell eine schwere Unterzuckerung entwickeln. Kommt es zu einer schweren Hypoglykämie sind die Betroffenen auf fremde Hilfe angewiesen. Bei Bewusstlosigkeit ist umgehend ein Notarzt zu verständigen.

            Hypoglykämien vorbeugen

            Unterzuckerungen können Menschen mit Diabetes direkt und auch andere indirekt gefährden. Zum einen können sie das Gehirn in Mitleidenschaft ziehen, zum anderen erhöhen sie die Unfallgefahr, wie etwa beim Autofahren. Um Hypoglykämien möglichst zu vermeiden, helfen folgende Maßnahmen:

            • Ess-Spritz-Abstand beachten
            • zu große Zusatzinsulinmengen (Bolusgaben) vermeiden
            • häufigeres Blutzuckermessen, gerade wenn eine Mahlzeit ausfällt
            • bei größerer körperlicher Anstrengung und Sport rechtzeitig die Insulin- bzw. Medikamentenmenge reduzieren und zusätzlich Kohlenhydrate bereithalten
            • Bei ersten Anzeichen einer Hypoglykämie sofort handeln. Regel: Erst essen, dann messen!
            • Traubenzucker und Diabetiker-Ausweis immer dabeihaben
            • bei einer Insulintherapie: Glukagon-Notfallset mit sich führen
            • Familienangehörigen und Arbeitskollegen zeigen, wie sie im Notfall Glukagon spritzen können
            • gemeinsam mit dem Arzt die Ursachen der Unterzuckerung ermitteln, um die Diabetestherapie zu optimieren
            • gemeinsam mit dem Arzt einen Hypoglykämie-Notfallplan zurechtzulegen
            • bei Bedarf durch eine Schulung die Hypoglykämie-Wahrnehmung verbessern, um Anzeichen früher erkennen zu können

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