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Oft fühlen sich Menschen mit Diabetes schuldig und schämen sich: Tipps zum Umgang mit negativen Emotionen

Warum schämen sich Menschen so oft für ihren Diabetes?

„Dick, dumm, selbst schuld…“ – noch immer kursieren viele Vorurteile über Menschen mit Diabetes und ihre Erkrankung. Deshalb fällt es vielen Betroffenen schwer, offen mit ihrem Diabetes umzugehen. Oft fühlen sie sich schuldig und schämen sich, wenn sie mit den Alltagsbelastungen des Diabetes nicht gut zurechtkommen. Doch Psycholog:innen haben Tipps parat, wie man mit diesen negativen Emotionen besser umgehen kann.

Viele Menschen mit Diabetes bekennen sich nur ungern öffentlich zu ihrer Erkrankung. Sie fürchten, deswegen negativ beurteilt und bewertet zu werden oder erfahren sogar konkrete Ausgrenzung oder Zurückweisung aufgrund ihres Diabetes. Diese Sorgen sind nicht ganz unbegründet: So gaben in einer Schweizer Umfrage über zwei Drittel der befragten Menschen mit Diabetes an, bereits stigmatisierende bzw. diskriminierende Situationen erlebt zu haben1 – etwa wenn sie sich im Bekanntenkreis beim gemeinsamen Essen ständig für ihre Ernährungsgewohnheiten rechtfertigen müssen, wenn ihnen aufgrund des Diabetes eine berufliche Beförderung verweigert wird oder wenn man ihnen mit Hinweis auf den Diabetes die Ausübung einer bestimmten Sportart untersagt.

1. Mit Schuld- und Schamgefühlen wird die Diabetesbelastung noch größer

Vorurteile und Stigmata dieser Art sind gefährlich, denn mit der Zeit können sie bei Betroffenen dazu führen, dass sie sich negative Stereotype auch selbst zuschreiben.2 Dann halten sie die erlebten Vorurteile für berechtigt, schämen sich für ihren Diabetes und fühlen sich schuldig – etwa wenn sie bei der Arbeit für ihr Diabetesmanagement Zeit aufwenden müssen, wenn Blutzuckermessungen oder CGM-Alarme andere ungewollt auf den Diabetes aufmerksam machen, wenn sie sich bei einer Unterzuckerung ‚seltsam‘ benehmen, wenn es ihnen wider besseres Wissen nicht gelungen ist, die Empfehlungen ihres Diabetesteams im Alltag umzusetzen oder wenn beim ersten Date der Blick unweigerlich auf die Insulinpumpe fällt.3 Und wer einmal in die Spirale aus Schuld- und Schamgefühlen hineingeraten ist, tut sich erst recht schwer damit, offen und selbstbewusst mit seinem Diabetes umzugehen und Verantwortung für die Therapie zu übernehmen.

2. Mehr persönliche Freiheit dank moderner Diabetestherapie

Denn die Therapie des Diabetes ist nach wie vor eine große Herausforderung – obwohl es mittlerweile so viel technische Unterstützung bei der Glukosemessung und Insulindosierung gibt, etwa in Form von Insulinpumpen oder Systemen zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM). Viele Menschen mit Diabetes äußern das Gefühl, dass mit der modernen Diabetestechnologie ihre persönliche Freiheit gewachsen ist: Sie können die Behandlung an ihre persönlichen Bedürfnisse anpassen und viele Therapieentscheidungen selbst treffen. Im Fachjargon nennt man das ‚Empowerment’: Die eigenständige Therapie hilft, den eigenen Körper und seine Bedürfnisse besser zu verstehen und kann dadurch Halt, Orientierung und Motivation vermitteln.

3. Eigenverantwortung: Fluch und Segen zugleich?

Doch viele empfinden diese Verantwortung gleichzeitig auch als Last: Sie sehen aufgrund der Fülle der Daten alles, was in ihrer Behandlung gerade nicht optimal läuft. Lückenlose Glukosekurven des CGM-Systems offenbaren jegliche Glukoseschwankungen, die ohne die moderne Technik gar nicht zutage getreten wären. Diese Einsichten können bei den Betroffenen schnell in Selbstvorwürfe münden, weil sie doch eigentlich gelernt haben, wie es richtig geht und sich verpflichtet fühlen, ihr Wissen auch konsequent anzuwenden. Sie fühlen sich dann schnell mit ihrer Therapie alleingelassen und überwältigt von der Fülle der Entscheidungen, die sie im Alltag zu treffen haben. Manch einer zieht sich dann in sein sprichwörtliches Schneckenhaus zurück und resigniert anstatt die Diabetestherapie aktiv selbst in die Hand zu nehmen. Wenn Frustmomente dieser Art nur gelegentlich auftreten, ist das noch kein Grund zur Besorgnis. Problematisch wird es allerdings, wenn Schuld- und Schamgefühle die Oberhand gewinnen und über einen längeren Zeitraum die Energie für die eigenverantwortliche Therapie rauben.

4. Gefühle bewusst eingestehen anstatt sie zu verdrängen

In solchen Fällen können bei Bedarf Psycholog:innen dabei helfen, an übermächtige Schuld- und Schamgefühle heranzugehen und ihnen die Macht über die Selbstwahrnehmung und das eigene Verhalten zu nehmen. Dafür ist es zunächst wichtig, sich den Ursprung dieser Gefühle klarzumachen. Denn mit dem ‚neuen Wissen‘, das mit der Diagnose einer Erkrankung oder einschneidenden Veränderungen in der Therapie einhergeht, ist immer auch eine Neubewertung der eigenen Person verbunden. Gefühle von Scham und Schuld können dann dazu führen, die notwendigen Anpassungen im Leben vorzunehmen. Umso wichtiger ist es, sich die eigenen Gefühle bewusst einzugestehen anstatt sie zu verdrängen. Schließlich haben Scham- und Schuldgefühle nach Auffassung von Psycholog:innen tatsächlich eine wichtige Funktion: Sie können dabei helfen, die eigenen Bedürfnisse besser zu verstehen und Kraft für die Bewältigung der Erkrankung zu schöpfen.4

5. Tipps zum Umgang mit Scham- und Schuldgefühlen

  • Kurz innehalten und reflektieren: Was sagt mir dieses Schuldgefühl?
  • Über die Gründe nachdenken: Wodurch werden meine Schuld- und Schamgefühle ausgelöst? Warum ist es wichtig, mich besser zu fühlen und mich selbst besser zu behandeln?
  • In sich hineinspüren: Ich fühle, dass es wichtig für mich ist, mich gut zu behandeln. Es ist mir nicht egal, mich schlecht behandelt zu haben.
  • Sich selbst Mut zusprechen: Ich kann etwas an meiner Lage ändern und aus meinen negativen Gefühlen Energie schöpfen. Ich muss meine eigenen Bedürfnisse nicht länger zurückstellen.
  • Nicht verstecken: Wenn Menschen im persönlichen Umfeld mehr Einblick in das Diabetesmanagement haben, verstehen sie auch besser, wie viel Arbeit die Erkrankung im Alltag macht.
  • Aha-Effekt: Am Ende steht vielleicht die Erkenntnis, dass niemand perfekt ist und uns aber genau das besonders macht.

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Quellen

1 Daniel Gredig, Annabelle Bartelsen-Raemy: Stigmatisierungserfahrungen von Menschen mit Diabetes mellitus in der Schweiz. Soz Passagen (2017) 9:381–403 https://doi.org/10.1007/s12592-017-0265-2

2 Schabert, J., Browne, J.L., Mosely, K. et al. Social Stigma in Diabetes. Patient 6, 1–10 (2013). https://doi.org/10.1007/s40271-012-0001-0

3 Vortrag der Psychologin Dipl.-Psych. Susanne Baulig (Mainz) bei der virtuellen Tagung der AG Diabetes & Psychologie am 25.9.21

4 Vortrag der Psychotherapeutin Dr. rer. nat. Sabine Waadt (München) bei der virtuellen Tagung der AG Diabetes & Psychologie am 25.9.21

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