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Spielende Kinder im Grünen: Bei Diabetes im Kindesalter liegt meistens Typ 1 vor.

Diabetes bei Kindern – was Sie als Eltern wissen sollten

Nach der Diagnose Diabetes mellitus fragen sich viele Eltern verzweifelt, was sie denn falsch gemacht hätten. Diabetes bei Kindern bringt zweifelsohne viele neue Herausforderungen mit sich – doch der alltägliche Umgang mit der Zuckerkrankheit lässt sich erlernen.

Welche Formen von Diabetes gibt es bei Kindern?

Die meisten Menschen stecken Diabetes wohl zunächst in die Schublade der Erwachsenen-Beschwerden. Doch auch Kinder leben mit der Diagnose: Diabetes mellitus ist die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern und Jugendlichen.1 Viele von ihnen erkranken im Alter zwischen 6 und 15 Jahren.2

Wie bei Erwachsenen gibt es verschiedene Formen von Diabetes bei Kindern. Typ-1-Diabetes ist die häufigste Art (über 90 Prozent) im Kindes- sowie Jugendalter und kann auch schon beim Kleinkind vorkommen.3 Er entsteht als Folge von Autoimmunprozessen, bei denen das Immunsystem körpereigene Zellen zerstört.

Eine weitere Form ist Typ-2-Diabetes. Er ist bei Erwachsenen die häufigste Diabetesform, bei Kindern und Jugendlichen macht er einen Anteil von unter zehn Prozent aus.3 Bei der Entstehung von Typ-2-Diabetes spielt die genetische Veranlagung, vor allem aber auch die Lebensweise eine wichtige Rolle. In den letzten Jahren ließ sich eine deutliche Zunahme an Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen beobachten.3

Bei Kindern können neben Typ-1- und Typ-2-Diabetes auch noch andere, seltene Formen vorkommen. Sie fallen unter Typ-3-Diabetes und machen nur einen sehr geringen Anteil der Diabetesfälle aus.4

Wie entsteht Diabetes bei Kindern?

Viele Eltern stellen sich nach der Diagnose die Frage, warum ausgerechnet ihr Nachwuchs an Diabetes leidet und andere Kinder nicht. Doch warum Diabetes bei manchen Kindern vorkommt, ist nicht vollständig erklärbar. Die Faktoren und die Vorgänge, welche sich bei den verschiedenen Diabetestypen im Körper abspielen, sind hingegen besser bekannt.

Typ-1-Diabetes bei Kindern entsteht durch eine Aneinanderreihung verschiedener Ereignisse: 

  • Durch genetische Vorbelastung und äußere Faktoren (wie Virusinfektionen) kann es im Körper zu fehlerhaften Autoimmunprozessen kommen. Das Immunsystem stuft körpereigene Zellen fälschlicherweise als fremd ein.
  • Es kommt zur Zerstörung der sogenannten Beta-Zellen, die für die Produktion von Insulin zuständig sind. Sie können das Hormon nun nicht mehr genügend oder gar nicht herstellen und es kommt zum absoluten Insulinmangel.
  • Insulin ist jedoch notwendig, um den Körperzellen die durch die Nahrung aufgenommenen Kohlenhydrate als Energie zur Verfügung zu stellen. Ist keines vorhanden, verbleibt der Zucker im Blut.

Die bei Kindern deutlich seltenere Diabetesform ist Typ-2-Diabetes.2 Hierbei liegen ebenfalls Störungen im Insulinhaushalt vor, allerdings andere als bei Typ-1:

  • Die Bauchspeicheldrüse schüttet aufgrund einer Insulinresistenz vermehrt Insulin aus, sodass dessen Menge oft nicht zur Menge der aufgenommenen Kohlenhydrate passt.
  • Die Wirkung des Hormons ist herabgesetzt: Die Körperzellen reagieren nicht mehr zuverlässig darauf (der Schlüssel zu den Zellen) und bleiben teilweise verschlossen. Es ist also Insulin im Blutkreislauf vorhanden, die Körperzellen sind aber resistent (relative Insulinresistenz). Hat das Insulin nicht nur eine verringerte, sondern gar keine Wirkung mehr auf die Zellen, sprechen Fachleute von absoluter Insulinresistenz.

Zu den Risikofaktoren, welche die Entstehung von Typ-2-Diabetes bei Kindern begünstigen, zählen:

  • genetische Veranlagung
  • allgemeiner Lebensstil (zu wenig Bewegung und erhöhte Nahrungsaufnahme)
  • Adipositas (starkes Übergewicht)
  • bestimmte ethnische Gruppen (zum Beispiel Amerikaner mexikanisch-hispanischer und afrikanischer Herkunft)

Diabetes bei Kindern lässt sich in seltenen Fällen auch auf andere Ursachen zurückführen (Typ-3-Diabetes). Genetische Defekte (wie MODY), Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse (etwa chronische Pankreatitis) sowie des Hormonsystems (Endokrinopathien) oder bestimmte Medikamente (beispielsweise Neuroleptika) können Diabetes bei Kindern auslösen.

Diabetes bei Kindern: Symptome

Je nach Formen und Entstehungsfaktoren der beiden Diabetes-Typen variieren auch die Anzeichen. Typ-1-Diabetes bei Kindern entwickelt sich über längere Zeit, bleibt aber meist zunächst unentdeckt. Erst wenn rund 80 Prozent der Beta-Zellen zerstört sind, zeigen sich innerhalb von einigen Tagen oder Wochen folgende Symptome: 1

  • Harndrang und nächtliches Einnässen: Durch vermehrtes Wasserlassen versucht der Körper, überschüssigen Blutzucker auszuscheiden.
  • Durstgefühl: Da der Körper mehr Flüssigkeit ausscheidet, haben Kinder mit Typ-1-Diabetes viel mehr Durst als normal.
  • Gewichtsverlust: Der Körper kann keine Energie aus der Nahrung mehr verwerten. Er versucht den Energiebedarf über eigene Fettdepots zu decken.
  • Müdigkeit und Erschöpfung: Dem Körper steht weniger Energie aus der Nahrung zur Verfügung. Zudem kostet ihn die Energiegewinnung aus Fettdepots viel Kraft.
  • Schwindel, Sehstörungen, Hautprobleme und Krämpfe können als Folge von zu wenig Flüssigkeit auftreten.

Eine besondere Komplikation bei unentdecktem Typ-1-Diabetes ist die ketoazidotische Stoffwechselentgleisung. Riecht der Atem Ihres Kindes nach Azeton (süßlich, faulig, ähnlich wie Nagellackentferner), deutet das auf diabetische Ketoazidose hin. Sie zeigt sich auch durch Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit (diabetisches Koma) und muss umgehend im Krankenhaus behandelt werden.2 Der Beginn von Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen verläuft hingegen schleichend und lange symptomfrei.5 Meist wird er nur zufällig entdeckt, beispielsweise bei einer Blutuntersuchung.

Wie erfolgt die Diagnose?

Stellen Sie bei Ihrem Kind, Kleinkind oder Baby Veränderungen und Symptome fest, die auf Diabetes hindeuten, wenden Sie sich an medizinisches Fachpersonal. Für die Diagnose werden z. B. zu unterschiedlichen Zeitpunkten (zum Beispiel nüchtern oder nach einer Mahlzeit) die Zuckerwerte bei Kindern im Blut gemessen. Sind sie bei mehreren Messungen außerhalb des Normbereichs, kann ein Diabetes vorliegen.

Folgende Zuckerwerte sind bei Kindern normal:6

nüchtern

65-100 mg/dl oder 3,6-5,6 mmol/l

nach dem Essen

80-126 mg/dl oder 4,5-7,0 mmol/l

Bei Säuglingen liegen die Werte am ersten und zweiten Lebenstag noch darunter. Ab dem dritten Tag gilt für sie die gleiche Tabelle.

Welche Krankheiten stehen bei Kindern mit Diabetes in Verbindung?

Die häufigste Diabetesform bei Kindern ist Typ-1-Diabetes, bei dem durch Autoimmunprozesse die insulinproduzierenden Zellen zerstört werden. Mittlerweile ist bekannt, dass bei Kindern mit Typ-1-Diabetes weitere Autoimmunerkrankungen fünfmal häufiger auftreten als bei der Allgemeinbevölkerung.7

So sind bis zu 25 Prozent der Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes – in Abhängigkeit von Alter und Beginn der Diabetes-Erkrankung – auch von Hashimoto-Thyreoiditis (Autoimmunkrankheit der Schilddrüse) und fünf Prozent von Zöliakie (genetisch bedingte Glutenunverträglichkeit) betroffen.4 Sie als Eltern sollten bei entsprechenden Symptomen, beispielsweise übermäßiger Müdigkeit oder Verdauungsbeschwerden, unbedingt hellhörig werden.

Doch auch Diabetes an sich kann – bei dauerhaft unpassender Insulingabe – langfristig Folgeerkrankungen mit sich bringen. Spätfolgen von Diabetes entwickeln sich über viele Jahre und zeigen sich in Form von Schäden an Blutgefäßen, die unter anderem Verletzungen der Augen und Nieren sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen können.

Das Risiko für Folgeerkrankungen durch Diabetes ist aber mittlerweile verhältnismäßig gut in den Griff zu bekommen. Dank immer besser entwickelter Technologien lassen sich Zuckerwerte bei Kindern mit Diabetes zunehmend einfacher im Normbereich halten und das Risiko für langfristige Schäden minimieren.

Alltag mit Diabetes: Kinder und Eltern meistern ihn gemeinsam

Die häufigste Therapieform bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes ist die sogenannte ICT, kurz für intensivierte konventionelle Therapie (englisch: intensified conventional therapy).8 Sie beinhaltet die Gabe von verzögert wirkendem Insulin (Basalinsulin) zur Aufrechterhaltung des Eiweiß- und Fettstoffwechsels sowie spontan wirkendem Insulin, das auf die aufgenommene Kohlenhydratmenge abgestimmt ist. Durch die Therapie gelingt es auch bei Kindern, Zuckerwerte im Normbereich und einen nahezu normalen, stabilen Zuckerstoffwechsel zu erreichen.

Die Diagnose Diabetes ändert dennoch vieles: Kinder und Eltern sollten sich anfangs gemeinsam mit der Erkrankung auseinandersetzen, den Umgang damit erlernen und zur Gewohnheit machen. Hierfür sind Diabetes-Schulungen unverzichtbar. Sie beginnen meist direkt im Krankenhaus. Hier erfahren die Familien ,

  • wie und wann sie den Blutzucker messen sollen,
  • wie sie die Insulindosis berechnen und verabreichen,
  • mehr über die Verwendung von Hilfsmitteln für die Insulintherapie (wie Insulinpumpen),
  • das richtige Verhalten im Notfall und Wahrnehmung von Über- oder Unterzuckersituationen,
  • Genaueres zu Ernährung und Umgang mit Süßigkeiten und
  • wie Kinder und Eltern bestimmte Situationen gut meistern (beispielsweise Sport, Pubertät, Klassenfahrten).

Ob Typ-1- oder Typ-2-Diabetes – in jedem Fall sind Sie als Eltern in der Verantwortung. Wurde bei Ihrem Kind Typ-2-Diabetes diagnostiziert, ist die Anpassung des allgemeinen Lebensstils enorm wichtig und hat oberste Priorität. Um die auslösenden Faktoren bestmöglich zu minimieren, gehören zur Umstellung der Lebensweise:

  • Gewichtsreduktion
  • gesunde Ernährung
  • mehr Bewegung im Alltag

Wird bei Ihrem Kind oder Kleinkind Diabetes festgestellt, sollte das medizinische Fachpersonal zudem durch weitere Untersuchungen abklären, ob bereits Erkrankungen der Augen oder Nieren vorliegen. Nach fünf Jahren Diabetesdauer oder spätestens ab dem elften Lebensjahr empfehlen sich außerdem jährliche Screenings zur Früherkennung von Organveränderungen.9 Bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes ist ein regelmäßiges Screening auf Schilddrüsenfunktionsstörungen und Zöliakie sinnvoll.3

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Quellen

1Diabetes bei Kindern - die aktuelle Situation, Techniker Krankenkasse, 13.11.18, siehe https://www.tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-medizin/diabetes/diabetes-bei-kindern-die-aktuelle-situation-2013494?tkcm=ab [Zuletzt abgerufen am 08.07.21].

2Was ist Typ-1-Diabetes?, Internisten im Netz, 18.08.17, siehe https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/typ-1-diabetes/was-ist-typ-1-diabetes.html  [Zuletzt abgerufen am 08.07.21].

3 Danne, T., Kordonouri, O., Lange, K.: Definition, Klassifikation und Epidemiologie des Diabetes bei Kindern und Jugendlichen. In Danne T., Kordonouri O., & Lange K. (Eds.), Diabetes bei Kindern und Jugendlichen: Grundlagen - Klinik - Therapie (7th ed., S. 1–14), 2015, https://doi.org/10.1007/978-3-642-24645-6_1 [Zuletzt abgerufen am 08.07.21].

4 Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) e. V. (n.d.). Diabetes Typ 3 – Keineswegs seltene Formen des Diabetes, siehe https://menschen-mit-diabetes.de/ratgeber/diabetes-typ-3 [Zuletzt abgerufen am 08.07.21].

5 Standl, Eberhard, Typ-2-Diabetes: Symptome & Komplikationen, Internisten im Netz, 17.05.17, siehe https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/typ-2-diabetes/symptome-komplikationen.html [Zuletzt abgerufen am 08.07.21].

6 Lange, K., Ziegler, A-G.: Fr1da: Typ 1 Diabetes: Früh erkennen - Früh gut behandeln. Ein Ratgeber für Eltern und Kinder. Institut für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München und Lehrstuhl für Diabetes und Gestationsdiabetes, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, 2014.

7 Karges, B., Holl,R.: Diabetes mellitus Typ 1 bei Kindern und Jugendlichen: Assoziierte Erkrankungen. In Hiort, O., Danne, T., & Wabitsch, M. (Eds.), Springer Reference Medizin. Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie (2nd ed., pp. 239–245), 2020, https://doi.org/10.1007/978-3-662-57309-9_17.

8 Behrens, I.: Typ-1-Diabetes bei Kindern: Wie es nach der Diagnose weitergeht. Pharmazeutische Zeitung online, 14.07.2019, siehe https://www.pharmazeutische-zeitung.de/wie-es-nach-der-diagnose-weitergeht/ [Zuletzt abgerufen am 08.07.21].

9 Danne, T., Kordonouri, O., Lange, K.: Folgeerkrankungen und Prognose des Typ-1-Diabetes. In T. Danne, T., Kordonouri O., & Lange, K. (Eds.), Diabetes bei Kindern und Jugendlichen: Grundlagen - Klinik - Therapie (7th ed., pp. 341–374),2015, https://doi.org/10.1007/978-3-642-24645-6_7.

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